Welche Landkreise verlieren bis 2045 Einwohner?
Die stärksten Bevölkerungsverluste prognostiziert die 10. BBSR-Bevölkerungsprognose für den Altenburger Land mit −21,3 % und Saalfeld-Rudolstadt mit −21,2 % bis 2045. Beide Werte liegen nur 0,1 Prozentpunkte auseinander und bilden die Spitze der schrumpfenden Kreise in dieser Auswertung.
Die Schrumpfer im Überblick
| Kreis | Prognostizierte Veränderung bis 2045 |
|---|---|
| Altenburger Land | −21,3 % |
| Saalfeld-Rudolstadt | −21,2 % |
| Olpe | −8,3 % |
| Pirmasens | −5,9 % |
Eine Länderzuordnung der Kreise enthalten die vorliegenden Daten nicht. Der Abstand zwischen dem größten Verlust (−21,3 %) und dem kleinsten im Feld (−5,9 %) beträgt 15,4 Prozentpunkte.
Prozentwerte richtig einordnen
Die Prognose nennt relative Veränderungen, keine absoluten Einwohnerzahlen. Ein Minus von 21 % in einem Kreis mit wenigen Einwohnern bedeutet einen anderen absoluten Verlust als im gleichen Prozentsatz in einem großen Kreis. Für einen Vergleich gehen Sie in zwei Schritten vor:
- Aktuelle Einwohnerzahl des Kreises aus der amtlichen Statistik des Landes oder des Statistischen Bundesamts ermitteln.
- Den Prognosewert darauf anwenden: Einwohnerzahl × (Veränderung in Prozent ÷ 100) ergibt den erwarteten absoluten Rückgang.
Prognose und Schrumpfung sind dabei keine Gewissheit, sondern Modellrechnungen, die sich mit neuen Daten verschieben können.

Ost-West-Gefälle bei der Bevölkerung
Die vorliegenden Daten zeigen Wachstum und Schrumpfung nebeneinander, erlauben aber noch keinen vollständigen Ost-West-Vergleich. Die Datengrundlage umfasst nur fünf Landkreise, und nur für Ebersberg ist eine Lageangabe enthalten.
| Landkreis | Veränderung bis 2045 | Richtung |
|---|---|---|
| Ebersberg (bei München) | +15,2 % | Wachstum |
| Altenburger Land | −21,3 % | Schrumpfung |
| Saalfeld-Rudolstadt | −21,2 % | Schrumpfung |
| Olpe | −8,3 % | Schrumpfung |
| Pirmasens | −5,9 % | Schrumpfung |
Die vorliegenden Daten enthalten keine Länderaufschlüsselung. Ob sich die Verluste überwiegend in Thüringen konzentrieren, lässt sich aus diesen fünf Werten nicht belegen. Dafür ist die vollständige Prognosetabelle mit Bundesland-Zuordnung nötig.
Der Anteil schrumpfender Kreise je Himmelsrichtung lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht beziffern. Die Berechnung folgt dieser Methode:
- Alle Kreise mit negativem Prognosewert herausfiltern.
- Jeden Kreis über sein Bundesland einer Himmelsrichtung zuordnen.
- Pro Richtung rechnen: Anzahl schrumpfender Kreise geteilt durch Anzahl aller Kreise der Richtung, mal 100.
Für Ausnahmen im Osten, also wachsende ostdeutsche Kreise, nennt die Fiche kein Beispiel. Die Suche erfolgt in derselben Prognosetabelle: Kreise mit positivem Vorzeichen innerhalb der ostdeutschen Bundesländer filtern und die Ergebnisse einzeln prüfen.
Warum wachsen Umlandkreise von Großstädten?
Umlandkreise wachsen meist dann, wenn sie eng mit einem Oberzentrum verflochten sind. Ein Beispiel ist der Landkreis Ebersberg bei München: Er wächst laut der 10. BBSR-Bevölkerungsprognose bis 2045 mit +15,2 % am stärksten. Die Fiche nennt keine Ursachen für diese Entwicklung. Die folgenden Mechanismen sind allgemeine Zusammenhänge, die sich mit öffentlich zugänglichen Daten prüfen lassen.
Pendlerverflechtung ist der erste Faktor. Wer in der Großstadt arbeitet, aber im Umland wohnt, bindet sich über Bahn- und Straßenverbindungen an das Oberzentrum. Je besser diese Verbindungen sind, desto attraktiver wird ein Wohnort mit geringerem Mietniveau oder Kaufpreis. Für den Vergleich lohnt sich deshalb ein Blick auf die Pendlerstatistik der Bundesagentur für Arbeit und auf die Takte des regionalen Nahverkehrs.
Wohnungsneubau an Stadträndern ist der zweite Faktor. Wenn die Kernstadt kaum noch freie Flächen hat, weichen Bauprojekte in Randlagen und auf Gemeindeflächen aus. Ob und wie schnell das geschieht, hängt von Bebauungsplänen und Flächenverfügbarkeit ab. Ein Anstieg der Baugenehmigungen zeigt daher früh, wo Zuzug erwartet wird.
Wanderungsgewinne aus der Kernstadt sind der dritte Faktor. Haushalte, die in der Stadt keine passende Wohnung mehr finden, ziehen oft in den Speckgürtel. Ihr Umzug zählt in der Statistik als Wanderungsgewinn des Umlands und als Wanderungsverlust der Kernstadt. Beide Seiten sollten deshalb gemeinsam betrachtet werden.

Wie hängen Alterung und Schrumpfung zusammen?
Die Bevölkerungsentwicklung eines Landkreises setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: der natürlichen Bevölkerungsbewegung (Geburten minus Sterbefälle) und dem Wanderungssaldo (Zuzüge minus Fortzüge). Alterung wirkt vor allem auf die erste Komponente. Ist ein großer Teil der Einwohner im höheren Alter, steigt die Zahl der Sterbefälle, während die Zahl der Geburten vom Umfang der jüngeren Jahrgänge abhängt. Ob daraus insgesamt ein Rückgang wird, entscheidet der Wanderungssaldo.
Die Rechenlogik der natürlichen Bilanz
| Größe | Bedeutung für die Bilanz |
|---|---|
| Geburten | Zugang durch Neugeborene im Kreisgebiet |
| Sterbefälle | Abgang durch Todesfälle im Kreisgebiet |
| Natürlicher Saldo | Geburten minus Sterbefälle; negativ bei Geburtendefizit |
| Wanderungssaldo | Zuzüge minus Fortzüge |
| Gesamtveränderung | Natürlicher Saldo plus Wanderungssaldo |
Geburtendefizit in alternden Landkreisen
Von einem Geburtendefizit spricht man, wenn in einem Jahr mehr Menschen sterben als geboren werden. In Landkreisen mit hohem Durchschnittsalter und einem großen Anteil über 65-Jähriger ist diese Konstellation wahrscheinlicher, weil viele Einwohner in einer Lebensphase mit erhöhter Sterblichkeit sind. Ein Geburtendefizit schrumpft die Bevölkerung nur dann, wenn Zuzüge es nicht ausgleichen.
Die Fiche enthält keine Geburten- oder Sterbezahlen für die genannten Kreise. Daher lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht beziffern, welcher Anteil einer Veränderung aus der natürlichen Bilanz stammt.
Was die Prognosezahlen zeigen
Diese Werte sind Gesamtveränderungen. Sie erlauben keine Aussage darüber, welcher Teil auf Alterung und welcher auf Wanderung zurückgeht.
Wo finde ich Daten zum eigenen Landkreis?
Für den Vergleich von Landkreisen entscheidet die Quelle über die Verlässlichkeit der Zahlen. Die 10. Bevölkerungsprognose des BBSR, vorgestellt am 19.06.2024, sieht bis 2045 stark auseinanderlaufende Entwicklungen vor.
| Landkreis | Veränderung bis 2045 | Einordnung laut Wiedergabe |
|---|---|---|
| Ebersberg (bei München) | +15,2 % | stärkstes Wachstum |
| Altenburger Land | −21,3 % | unter den stärksten Rückgängen |
| Saalfeld-Rudolstadt | −21,2 % | unter den stärksten Rückgängen |
| Olpe | −8,3 % | schrumpfender Kreis |
| Pirmasens | −5,9 % | schrumpfender Kreis |
Prognose im BBSR-Original prüfen
Bevor eine Prognose in einen Vergleich übernommen wird, sollte sie mit dem Original des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) abgeglichen werden. Regionale Wiedergaben können Angaben kürzen, runden oder aus dem Zusammenhang lösen. Dabei gilt es, drei Punkte zu klären:
- Zieljahr und Stichtag im Original nachlesen (in der Wiedergabe: 2045)
- Ob der Prozentwert auf absolute Einwohnerzahlen oder auf eine Veränderungsrate bezogen ist
- Auf welchen Ausgangswert sich die Prozentangabe bezieht
Destatis-Regionaldatenbank für amtliche Zeitreihen
Für vergangene Entwicklungen ist die Regionaldatenbank des Statistischen Bundesamts (Destatis) die zentrale Anlaufstelle. Sie stellt amtliche Zeitreihen bereit. Wer die Bevölkerungsentwicklung eines Landkreises einordnen will, sollte mehrere Jahre betrachten statt einzelner Stichtage. So zeigt sich, ob eine Prognose an einen bestehenden Trend anknüpft oder einen Bruch darstellt.
Statistische Landesämter für Kreisdaten nutzen
Die Statistischen Landesämter bieten Kreisdaten auf Länderebene an und ergänzen die Bundesdaten um Detailangaben. Für die Altersstruktur lohnt es sich zu prüfen, ob das jeweilige Landesamt entsprechende Kreistabellen führt. Die Landeswerte lassen sich anschließend mit den Bundeswerten der Regionaldatenbank abgleichen, um den eigenen Landkreis einzuordnen.
Was bedeutet der Trend für Immobilienpreise?
Bevölkerungswachstum und Bevölkerungsschwund wirken auf Kaufpreise und Mieten auf Kreisebene in entgegengesetzte Richtungen. Nach der 10. BBSR-Bevölkerungsprognose wächst der Landkreis Ebersberg bei München bis 2045 um +15,2 %, während Altenburger Land (−21,3 %) und Saalfeld-Rudolstadt (−21,2 %) am stärksten schrumpfen. Diese Prognosewerte beschreiben die Bevölkerungszahl, nicht direkt die Preise. Sie liefern aber einen Anhaltspunkt, wo die Nachfrage voraussichtlich steigt oder sinkt.
Preisentwicklung in wachsenden Umlandkreisen
Wachsende Kreise, besonders im Umland großer Städte, verzeichnen meist eine steigende Nachfrage nach Wohnraum. Wenn mehr Menschen einziehen als Wohnungen neu entstehen, steigen Kauf- und Mietpreise tendenziell. Ebersberg bei München ist ein Beispiel für diese Konstellation: Die Prognose von +15,2 % bis 2045 deutet auf zusätzlichen Druck auf den Wohnungsmarkt hin.
Für die Bewertung eines wachsenden Kreises gilt:
- Prüfen, ob das Wachstum auf Zuzug aus der Kernstadt oder auf natürliche Geburtenzuwächse zurückgeht
- Neubauaktivität gegenüber der Bevölkerungszunahme abwägen
- Preisentwicklung über mehrere Jahre betrachten, nicht nur einen Stichtag
Leerstand und Preisdruck in schrumpfenden Kreisen
In schrumpfenden Kreisen geht die Nachfrage zurück. Daraus folgen häufig sinkende oder stagnierende Preise, teils mit wachsendem Leerstand, da Wohnungen in Ortschaften mit weniger Nachfrage länger am Markt bleiben. Die Prognosen für Altenburger Land (−21,3 %) und Saalfeld-Rudolstadt (−21,2 %) zeigen einen deutlichen Rückgang bis 2045. Ein Rückgang der Einwohnerzahl bedeutet jedoch nicht automatisch sinkende Preise in jedem Teilgebiet. Zentrale, gut angebundene Lagen innerhalb eines schrumpfenden Kreises können stabiler bleiben als Randlagen.
Kaufpreisindex als Vergleichsmaßstab nutzen
Ein Kaufpreisindex macht Preisentwicklungen zwischen Kreisen vergleichbar, weil er die absolute Höhe der Preise herausrechnet und nur die Veränderung über die Zeit zeigt. Damit lässt sich prüfen, ob ein wachsender Kreis tatsächlich stärker anzieht als ein schrumpfender, oder ob die Preisentwicklung vom Bevölkerungstrend abweicht.
Vorgehen beim Vergleich:
- Denselben Zeitraum für alle verglichenen Kreise wählen
- Bevölkerungsprognose und Preisindex nebeneinander legen und auf Abweichungen achten
- Kreise mit ähnlicher Ausgangslage vergleichen, etwa zwei Umlandkreise einer Großstadt, und nicht Stadt gegen ländlichen Raum