Der Krankenhausatlas der Statistischen Ämter misst die Erreichbarkeit als Pkw-Fahrzeit in Minuten bei ungestörter Verkehrslage, also ohne Staus. Laut Bundesregierung erreichen 98,8 % der Bevölkerung ein Krankenhaus der Grundversorgung in weniger als 30 Minuten. Der Atlas weist die Erreichbarkeit für jeden Ort in Deutschland aus und bezieht sie auf das jeweils nächstgelegene Krankenhaus; die 98,8 % sind dagegen ein bundesweiter Bevölkerungsanteil aus dem Bericht der Bundesregierung (zitiert im Deutschen Ärzteblatt, 2020).

Wie weit ist das nächste Krankenhaus?

Die Pkw-Fahrzeit ist die Kernkennzahl beim Vergleich der Erreichbarkeit von Krankenhäusern. Sie gibt an, wie viele Minuten ein Auto vom Wohnort bis zum nächsten Krankenhaus braucht. Der Atlas nutzt dafür die Bedingung einer ungestörten Verkehrslage. Die Angabe ist deshalb eine Modellzeit und keine Durchschnittszeit im Berufsverkehr.

Referenzpunkt: das nächstgelegene Krankenhaus

Der Krankenhausatlas weist für jeden Ort die Erreichbarkeit des nächstgelegenen Krankenhauses aus. Die Grundversorgung ist dagegen eine Kategorie des Bundesberichts, der für die 30-Minuten-Marke ein Krankenhaus der Grundversorgung nennt. Fachabteilungen und Notfallversorgung zeigt der Atlas separat an, sodass sich die Entfernung zu einer bestimmten Spezialisierung getrennt prüfen lässt. Für einen ersten Vergleich zweier Wohnorte eignet sich die Pkw-Fahrzeit zum nächstgelegenen Krankenhaus, weil sie für jeden Ort im Atlas ausgewiesen ist.

Bevölkerungsanteil unter 30 Minuten

Laut dem Bericht der Bundesregierung zur Entwicklung der ländlichen Räume, zitiert im Deutschen Ärzteblatt (11.11.2020), erreichen 98,8 % der Bevölkerung ein Krankenhaus der Grundversorgung in weniger als 30 Minuten. Sie ist ein bundesweiter Bevölkerungsanteil und kein Bewertungsmaßstab für einzelne Landkreise.

KennzahlWertBezug
MessgrößePkw-Fahrzeit in Minutenungestörte Verkehrslage, ohne Staus
Bevölkerung unter 30 Minuten98,8 %Krankenhaus der Grundversorgung; Bundesbericht, Ärzteblatt, 11.11.2020
Mittlere Fahrzeit in rund 100 von knapp 300 Landkreisen20 bis 30 MinutenKrankenhäuser der Regelversorgung; Ärzteblatt, 11.11.2020

Wie man die Angabe liest

Der Wert im Atlas ist eine Minutenangabe für einen konkreten Ort. Er ersetzt keine Routenplanung mit aktuellem Verkehr. Wer die Zahl für eine Wohnortentscheidung nutzt, sollte die Fahrzeit für den tatsächlichen Hauptverkehrs- und Notfallweg getrennt prüfen.

Wie weit ist das nächste Krankenhaus?

Krankenhausatlas: Was die Daten zeigen

Der Krankenhausatlas der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Ausgabe 2023) bildet die Erreichbarkeit für jeden Ort in Deutschland ab. Die Auswertung arbeitet also nicht nur mit Kreis- oder Gemeindedurchschnitten, sondern ordnet jedem Ort die Entfernung zum jeweils nächstgelegenen Krankenhaus zu. Für einen konkreten Wohnort lässt sich so prüfen, wie weit die Versorgung tatsächlich entfernt liegt.

Neben dem nächsten Krankenhaus weist der Atlas zwei weitere Ebenen aus:

EbeneWas der Atlas abbildet
Krankenhaus allgemeinErreichbarkeit des nächstgelegenen Krankenhauses für jeden Ort
Einzelne FachabteilungenEntfernung zu den jeweiligen Fachabteilungen
NotfallversorgungEntfernung zur Notfallversorgung

Die Trennung nach Fachabteilungen ist für den Vergleich von Wohnorten entscheidend. Ein Krankenhaus kann nah liegen, während eine bestimmte Fachabteilung deutlich weiter entfernt ist. Wer zwei Orte vergleicht, sollte deshalb die Fachabteilungen einzeln betrachten, die für den eigenen Bedarf relevant sind, und nicht nur das nächste Haus.

Die Notfallversorgung wird separat ausgewiesen. Zwei Orte mit gleich weitem nächsten Krankenhaus können sich daher unterscheiden, wenn ihre Notfallstrukturen unterschiedlich weit liegen.

Für einen strukturierten Vergleich von Wohnorten:

  • Pro Ort die Erreichbarkeit des nächsten Krankenhauses festhalten.
  • Die Entfernungen zu den gewünschten Fachabteilungen daneben notieren.
  • Die Entfernung zur Notfallversorgung als eigene Spalte erfassen.
  • Alle Orte mit denselben drei Werten nebeneinanderstellen, damit die Zahlen vergleichbar bleiben.

Wie vergleicht man Landkreise richtig?

Ein fairer Vergleich beginnt mit der Trennung nach Gebietstyp. Kreisfreie Städte und Landkreise sollten getrennt verglichen werden, weil ihre Ausgangslage stark abweicht. Laut Deutschem Ärzteblatt (11.11.2020) sind in rund 100 von knapp 300 Landkreisen Krankenhäuser der Regelversorgung mit dem Pkw im Mittel erst in 20 bis 30 Minuten erreichbar, in den meisten kreisfreien Städten dagegen in 5 bis 10 Minuten. Ein gemeinsamer Durchschnitt würde diesen Unterschied verwischen.

Danach sollten Mittelwert und Median getrennt betrachtet werden. Der Mittelwert reagiert auf Extremwerte, etwa auf einzelne sehr abgelegene Orte. Der Median beschreibt den Wert des mittleren Kreises. Weichen beide deutlich voneinander ab, ist die Verteilung ungleichmäßig, und eine Aussage nur über den Mittelwert wäre irreführend.

Der dritte Schritt ist die Einwohnergewichtung. Der Krankenhausatlas weist die Erreichbarkeit für jeden Ort aus. Wird jede Gemeinde gleich gezählt, fällt ein Kreis mit vielen kleinen, abgelegenen Gemeinden anders aus als einer mit wenigen großen. Gewichtet man nach Einwohnerzahl, zeigt sich, wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind. Der Bundesbericht nennt als bundesweite Größe einen Bevölkerungsanteil: 98,8 % erreichen ein Krankenhaus der Grundversorgung in weniger als 30 Minuten.

GebietstypBefundQuelle
Landkreise (rund 100 von knapp 300)Mittel 20 bis 30 Minuten zur Regelversorgung mit dem PkwDeutsches Ärzteblatt, 11.11.2020
Meiste kreisfreie StädteMittel 5 bis 10 Minuten zur Regelversorgung mit dem PkwDeutsches Ärzteblatt, 11.11.2020
Gesamtbevölkerung98,8 % in unter 30 Minuten zur GrundversorgungBericht der Bundesregierung, zitiert im Ärzteblatt, 11.11.2020

Stadt und Land im Vergleich

Der Unterschied zwischen städtischen und ländlichen Kreisen ist bei den Fahrzeiten deutlich messbar. Laut Deutschem Ärzteblatt (Stand 2020) erreichen Einwohner in den meisten kreisfreien Städten ein Krankenhaus der Regelversorgung im Mittel in 5 bis 10 Minuten mit dem Pkw. In rund 100 der knapp 300 Landkreise liegt der Mittelwert dagegen bei 20 bis 30 Minuten.

GebietstypMittlere Pkw-Fahrzeit zur RegelversorgungEinordnung
Kreisfreie Städte5 bis 10 MinutenIn den meisten Städten
Landkreise20 bis 30 MinutenIn rund 100 von knapp 300 Kreisen

Die Werte sind Mittelwerte je Kreis. Innerhalb eines Landkreises können einzelne Orte deutlich davon abweichen, weil der Krankenhausatlas die Erreichbarkeit für jeden Ort in Deutschland ausweist. Beim Vergleich zweier Kreise lohnt es sich deshalb, konkrete Orte statt nur Kreisdurchschnitte gegenüberzustellen.

Der Atlas zeigt zusätzlich Entfernungen zu einzelnen Fachabteilungen und zur Notfallversorgung. Die verfügbaren Quellen nennen dafür keine Zahlen, daher lässt sich das Stadt-Land-Gefälle für Notfälle hier nicht beziffern. Praktisch heißt das: Für denselben Ort Regelversorgung und Notfallversorgung nebeneinander prüfen und feststellen, ob der Abstand ähnlich groß ist.

Die Bundesregierung gibt an, dass 98,8 % der Bevölkerung ein Krankenhaus der Grundversorgung in weniger als 30 Minuten erreichen. Diese Kennzahl ist ein bundesweiter Anteil und misst etwas anderes als die Kreismittelwerte oben. Beide Werte sind nicht direkt vergleichbar: Beide Werte beziehen sich auf unterschiedliche Versorgungsstufen und Bezugsgrößen und lassen sich nicht direkt gegeneinander abgleichen.

Stadt und Land im Vergleich

Wo ist die Erreichbarkeit besonders schwierig?

Die längsten Fahrzeiten zum Krankenhaus treten in einer Gruppe von Landkreisen auf. Laut Deutschem Ärzteblatt (11.11.2020) liegt die mittlere Pkw-Fahrzeit zu einem Krankenhaus der Regelversorgung in rund 100 der knapp 300 Landkreise bei 20 bis 30 Minuten. Der Bundesbericht nennt zugleich 98,8 % der Bevölkerung, die ein Krankenhaus der Grundversorgung in weniger als 30 Minuten erreichen. Beide Kennzahlen beziehen sich auf unterschiedliche Versorgungsstufen und sind nicht direkt vergleichbar; aus ihnen lässt sich nicht ableiten, wie viele Menschen in einzelnen Landkreisen lange Wege haben.

Für den Vergleich zweier Landkreise zählen die Atlas-Werte der konkreten Orte, denn ein Kreismittelwert verdeckt Unterschiede innerhalb des Kreises.

Die Quellen nennen keine einzelnen Landkreise; der Bericht zur Entwicklung der ländlichen Räume verweist auf ländliche Räume als Ort längerer Wege. Die Bevölkerungsgrundlage des Atlas stammt aus dem Zensus 2022, die Krankenhausdaten aus dem Verzeichnis mit Stand 31.12.2023. Spätere Schließungen, Fusionen oder neue Standorte fehlen darin.

Lücken bei Fachabteilungen sind ein eigener Prüfpunkt. Der Krankenhausatlas der Statistischen Ämter weist neben der Erreichbarkeit des nächsten Krankenhauses auch die Entfernungen zu einzelnen Fachabteilungen und zur Notfallversorgung aus. Ein Landkreis kann bei der Gesamtfahrzeit unauffällig sein, während eine bestimmte Fachabteilung deutlich weiter entfernt liegt. Für den Vergleich lohnt daher der Blick auf die Fachabteilungswerte, nicht nur auf den Gesamtwert.

Was bedeutet das für die Wohnortwahl?

Die Fahrzeit im Krankenhausatlas ist eine Pkw-Fahrzeit in Minuten bei ungestörter Verkehrslage. Staus und Berufsverkehr sind nicht eingerechnet. Im Alltag dauert die Fahrt zur Klinik deshalb oft länger als der angegebene Wert, und er eignet sich eher als Untergrenze für den Vergleich als für eine garantierte Zeitangabe.

Abwägung Fahrzeit gegen Immobilienpreise und Lage

Kurze Wege zur Klinik finden sich vor allem in kreisfreien Städten. Dort liegt die Fahrzeit zur Regelversorgung laut Deutschem Ärzteblatt im Mittel bei 5 bis 10 Minuten. In rund 100 von knapp 300 Landkreisen beträgt sie dagegen im Mittel 20 bis 30 Minuten.

Ob sich der Zeitgewinn lohnt, zeigt erst der Vergleich mit den Kosten. Stellen Sie Kauf- oder Mietpreise vergleichbarer Objekte in Stadt und Umland nebeneinander und setzen Sie den Preisunterschied bewusst in Relation zur gewonnenen Fahrzeit. Auch die Lage innerhalb des Ortes spielt eine Rolle, denn die Entfernung zur Klinik kann je nach Straße deutlich variieren.

Der Bundesbericht nennt zudem 98,8 % der Bevölkerung, die ein Krankenhaus der Grundversorgung in weniger als 30 Minuten erreichen. Die 98,8 % beziehen sich nur auf Krankenhäuser der Grundversorgung und sind ein bundesweiter Anteil; sie sagen nichts über die Fahrzeit zu anderen Versorgungsstufen oder zur Notfallversorgung am konkreten Wohnort.

Notfallversorgung vor dem Umzug prüfen

Der Krankenhausatlas weist die Entfernung zur Notfallversorgung separat aus. Da die allgemeine Klinik-Fahrzeit nichts über die Notaufnahme aussagt, sollten Sie diesen Wert für die konkrete Adresse abrufen, bevor Sie einen Mietvertrag oder Kaufvertrag unterschreiben. Maßgeblich ist die Fahrzeit am tatsächlichen Wohnort, nicht der Durchschnittswert des Landkreises.

Fahrzeit zur Wunschklinik für Fachabteilungen prüfen

Der Atlas zeigt Entfernungen nicht nur zur nächsten Klinik, sondern auch zu einzelnen Fachabteilungen. Die nächstgelegene Klinik muss deshalb nicht die sein, die eine bestimmte Behandlung anbietet. Wer auf eine bestimmte Fachrichtung angewiesen ist, sollte diese Entfernung gezielt für die eigene Wohnadresse prüfen.

PrüfpunktWas im Krankenhausatlas stehtVorgehen
Nächste KlinikPkw-Fahrzeit je OrtZu Stoßzeiten mit einem Routenplaner gegenprüfen
NotfallversorgungEntfernung zur NotfallversorgungFür die konkrete Adresse abfragen
FachabteilungEntfernung zu einzelnen FachabteilungenFür die eigene Fachrichtung gezielt prüfen

Grenzen der Daten

Der Krankenhausatlas zeigt einen Momentzustand, keine laufende Lage. Drei Datenbasen bestimmen, wie belastbar seine Werte für einen Vergleich sind.

DatenbasisStand im AtlasAuswirkung auf den Vergleich
KrankenhausverzeichnisStichtag 31.12.2023Spätere Schließungen, Fusionen und neue Standorte fehlen.
BevölkerungZensus 2022Bevölkerungsveränderungen seit 2022 sind nicht eingerechnet.
Verkehrslageungestörte Verkehrslage, also ohne StausDie Fahrzeiten gelten für freie Fahrt, nicht für Stoßzeiten.

Stichtag-Lücke: Der Atlas berücksichtigt keine Schließungen, Fusionen oder neuen Standorte nach dem Stichtag 31.12.2023. Wer die Erreichbarkeit aktuell bewertet, sollte die genannten Kliniken selbst prüfen: Bestehen sie noch, und hat sich ihr Leistungsangebot verändert? Die Werte sind für den Stichtag korrekt, können aber für heute überholt sein.

Verkehr zu Stoßzeiten: Die Minutenangaben setzen eine ungestörte Verkehrslage voraus. Zu Berufsverkehrszeiten liegen die tatsächlichen Fahrzeiten daher voraussichtlich höher. Der Atlas quantifiziert diesen Unterschied nicht. Eine angegebene Fahrzeit ist deshalb eine Untergrenze unter freien Bedingungen und kein Erwartungswert für den Alltag.

Bevölkerungsbasis: Die Einwohnerzahlen stammen aus dem Zensus 2022. Ein Landkreis, dessen Bevölkerung seither deutlich gewachsen oder geschrumpft ist, wird im Vergleich mit einer veralteten Grundgesamtheit bewertet. Bei Kreisen mit starker Veränderung sollten die Ergebnisse entsprechend vorsichtiger interpretiert werden.

Vorgehen für die Prüfung:

  • Den Stichtag 31.12.2023 notieren und die Krankenhausliste mit den aktuellen Angaben der Kliniken abgleichen.
  • Prüfen, ob die relevanten Fachabteilungen und die Notfallversorgung noch im selben Umfang bestehen.
  • Bei Landkreisen mit deutlicher Bevölkerungsveränderung seit 2022 die Aussagekraft bevölkerungsgewichteter Auswertungen einschränken.

Häufig gestellte Fragen

Was misst der Krankenhausatlas bei der Erreichbarkeit genau?

Er gibt die Pkw-Fahrzeit in Minuten bis zum nächstgelegenen Krankenhaus an, gerechnet bei ungestörter Verkehrslage ohne Staus. Die Zahl ist deshalb eine Modellzeit und keine Angabe für den Berufsverkehr.

Warum lassen sich die 98,8 % nicht einfach auf einen Landkreis übertragen?

Die Zahl stammt aus dem Bericht der Bundesregierung von 2020, der im Deutschen Ärzteblatt zitiert wurde, und bezieht sich auf Krankenhäuser der Grundversorgung. Sie ist ein bundesweiter Bevölkerungsanteil, während der Atlas Fahrzeiten für jeden einzelnen Ort ausweist.

Wie aktuell sind die Angaben im Krankenhausatlas?

Die Datenbasis ist das Krankenhausverzeichnis mit Stand 31.12.2023, die Bevölkerung stammt aus dem Zensus 2022. Spätere Schließungen, Fusionen oder neue Standorte sind darin nicht berücksichtigt, daher sollte man die Angaben vor einer Entscheidung mit aktuellen Informationen der Kliniken abgleichen.