Der Wanderungssaldo ist die Differenz aus Zuzügen und Fortzügen einer Stadt in einem Jahr. Für 2023 nennt Statista rund 32.765 für Berlin und rund 19.900 für Hamburg, laut Statistischem Bundesamt (Destatis-Tabelle 12711-91-01-4). Die Zahl zeigt die Nettobewegung von Personen, aber nicht, wie viele Menschen insgesamt zugezogen oder weggezogen sind.

Wanderungssaldo: Was die Zahl aussagt

Formel und Vorzeichen

Die Berechnung lautet: Zuzüge minus Fortzüge. Das Ergebnis hat ein Vorzeichen, das die Richtung angibt:

VorzeichenBedeutung
Positiv (+)Es ziehen mehr Personen zu, als abwandern: Netto-Zuwachs
Negativ (−)Es ziehen mehr Personen fort, als zuziehen: Netto-Verlust
NullZuzüge und Fortzüge sind gleich hoch: ausgeglichen

Ein Wert von rund 32.765 bedeutet also nicht 32.765 Zuzüge, sondern einen Überschuss an Zuzügen in dieser Höhe. Berlin und Hamburg weisen für 2023 positive Werte aus.

Grenzen der Einzelzahl

  • Zuzüge und Fortzüge werden verrechnet. Hohe Bewegungen in beide Richtungen können sich im Saldo fast aufheben.
  • Der Saldo sagt nichts darüber, wer zieht oder aus welchem Grund.
  • Eine absolute Zahl ist ohne Bezug zur Größe der Stadt nur begrenzt aussagekräftig.

Wanderungssaldo: Was die Zahl aussagt

Berlin und Hamburg im Vergleich: Wanderungssaldo 2023

Im Jahr 2023 liegt Berlin im Vergleich mit Hamburg beim absoluten Wanderungssaldo vorn. Der Abstand zwischen beiden Städten liegt damit bei rund 12.900 Personen.

RangStadtWanderungssaldo 2023 (gerundet)
1Berlinrund 32.765
2Hamburgrund 19.900

Die Zahlen stammen laut Statista aus der Destatis-Tabelle 12711-91-01-4. Statista kennzeichnet sie mit „Daten: Statistisches Bundesamt“, Stand 4. August 2025. Für München, Köln und Frankfurt am Main enthält die vorliegende Datenbasis keine Werte. Eine vollständige Rangliste dieser fünf Städte erfordert daher den Abgleich mit dem Originaldatensatz des Statistischen Bundesamts.

Auslandszuzug als Hauptanteil des Zugewinns

Ob der Auslandszuzug in den Metropolen den größten Teil des Zugewinns ausmacht, lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht belegen. Zur Prüfung:

  • In der Quelltabelle prüfen, ob Zuzüge nach Herkunft getrennt ausgewiesen sind, etwa aus dem Ausland und aus anderen Bundesländern.
  • Den Auslandsanteil je Stadt berechnen: Auslandszuzüge geteilt durch Gesamtzuzüge, mal 100, ergibt den Prozentwert.

Zuzug je 1.000 Einwohner: der fairere Vergleich

Der absolute Wanderungssaldo zeigt nur die Differenz aus Zu- und Fortzügen, nicht die Gesamtzahl der Bewegungen und nicht die Größe der Stadt. Ob ein Saldo viel oder wenig bedeutet, hängt davon ab, wie viele Menschen in der Stadt leben. Deshalb wird der Saldo auf 1.000 Einwohner umgerechnet.

Die Formel

Wanderungssaldo je 1.000 Einwohner = Saldo ÷ Einwohnerzahl × 1.000

GrößeBedeutungHinweis für den Vergleich
WanderungssaldoZuzüge minus Fortzüge im BerichtsjahrNegativer Wert bedeutet Abwanderung
EinwohnerzahlBevölkerungsstand am StichtagMuss zum selben Berichtsjahr gehören
Faktor 1.000Skalierung auf eine handliche GrößeErgebnis: Zuzug pro 1.000 Einwohner

Kleinere Städte sichtbar machen

Weil der Saldo durch die Einwohnerzahl geteilt wird, kann eine kleinere Stadt mit geringerem absolutem Saldo einen höheren Relativwert erreichen als eine Großstadt. Die absolute Rangfolge und die relative Rangfolge können daher deutlich voneinander abweichen. Für die Einordnung sollte man beide Werte nebeneinanderstellen. Der absolute Wert zeigt das Gewicht einer Stadt im Gesamtsystem, der relative Wert zeigt, wie stark der Zuzug im Verhältnis zur Bevölkerung ist.

Bezugsjahr und Einwohnerstand als Rechengrundlage

  • Bezugsjahr: Saldo und Einwohnerzahl müssen sich auf dasselbe Jahr beziehen. Ein Saldo von 2023 geteilt durch die Bevölkerung von 2025 ergibt einen verzerrten Wert.
  • Einwohnerstand: Verwende den Bevölkerungsstand zum Stichtag des Berichtsjahres und nicht einen Schätzwert.
  • Bei Zeitreihen wird der Einwohnerstand jedes Jahres separat verwendet, nicht ein einziger Wert für alle Jahre.
  • Bei Gebietsreformen oder Eingemeindungen muss der Gebietsstand für alle verglichenen Jahre gleich sein.

Warum ziehen Menschen in bestimmte Städte?

Der Wanderungssaldo zeigt, wo die Bilanz positiv ausfällt, nicht warum. Die Ursachen lassen sich aus einem Saldo nicht ablesen, deshalb werden die Standortfaktoren getrennt geprüft.

Arbeitsplätze und Einkommen

Die Arbeitsplatzdichte im Ballungsraum bestimmt, wie viele passende Stellen in erreichbarer Entfernung liegen. Für einen Vergleich zählen Beschäftigtenzahlen je Stadt oder Kreis und die Branchenstruktur.

Das Gehaltsniveau allein sagt wenig. Entscheidend ist die Kaufkraft, also das verfügbare Einkommen nach Abzug der Wohnkosten. Ein höheres Bruttogehalt in einer teuren Stadt kann real weniger bieten als ein niedrigeres in einer günstigeren Region.

Hochschulen und Ausbildungsplätze

Hochschulen wirken vor allem auf junge Erwachsene. Gemessen werden die Zahl der Studienplätze, der Ausbildungsplätze im dualen System und der Studierenden je Hochschulstandort. Viele Studienanfänger wechseln für das Studium den Wohnort, weshalb der Effekt in den Wanderungszahlen der jüngeren Altersgruppen sichtbar wird.

Kultur, Grün- und Freiflächen

Kulturangebot (Theater, Museen, Veranstaltungen) und Freizeitangebot sind weiche Faktoren, die sich schwer beziffern lassen. Vergleichbar werden sie über Anzahl der Einrichtungen je Einwohner. Grünflächen werden über Quadratmeter je Einwohner und die Erreichbarkeit von Parks, Seen oder Wäldern verglichen.

StandortfaktorMessgröße für den Vergleich
ArbeitsplätzeBeschäftigte je Stadt oder Kreis, Branchenstruktur
GehaltsniveauBruttolohn, bereinigt um Wohnkosten (Kaufkraft)
HochschulenStudierende je Hochschulstandort
AusbildungAusbildungsplätze im dualen System
KulturKultureinrichtungen je Einwohner
GrünflächenQuadratmeter Grünfläche je Einwohner

Warum ziehen Menschen in bestimmte Städte?

Wohin ziehen die Menschen aus den Großstädten?

Der Nettosaldo zeigt nicht, wohin Menschen wegziehen. Die Zielregionen der Abwanderung lassen sich aus einem Nettosaldo nicht ablesen, dafür sind die Bruttoströme nötig.

Suburbanisierung ins Umland

Die Suburbanisierung beschreibt Fortzüge aus der Kernstadt in angrenzende Kreise. Um sie zu messen, werden die Wanderungen zwischen Kernstadt und Umlandkreisen getrennt ausgewiesen, nicht als Gesamtsaldo.

KennzahlWas sie zeigtIn der Datenbasis verfügbar
Nettosaldo der StadtGesamtbilanz aus Zu- und FortzügenJa, für Berlin und Hamburg (2023)
Bruttostrom Kernstadt → UmlandkreisAnzahl der Fortzüge in einen bestimmten KreisNein
Bruttostrom Umlandkreis → KernstadtGegenstrom, zeigt die Netto-Richtung je KreisNein

Wanderungsströme zwischen Bundesländern

Auf Länderebene werden Fortzüge und Zuzüge zwischen den Bundesländern erfasst. Ein Land kann insgesamt Nettogewinner sein und trotzdem Verluste an bestimmte Nachbarländer verzeichnen. Deshalb sollten bilaterale Ströme (Land A nach Land B) getrennt von der Gesamtbilanz betrachtet werden.

Abwanderungsquoten im Städtevergleich

Eine Abwanderungsquote setzt die Fortzüge ins Verhältnis zur Bevölkerung. Die Formel lautet: Fortzüge geteilt durch Einwohnerzahl, mal 100. So sind Städte unterschiedlicher Größe vergleichbar.

  • Kleine Mittelstädte und ländliche Kreise haben eine kleine Bezugsbasis, die Quote schwankt deshalb stärker als bei Großstädten.
  • Ein Einzeljahr reicht für einen belastbaren Vergleich nicht. Sinnvoller ist es, mehrere Jahre gemeinsam auszuwerten.

Wie hängen Zuzug und Mieten zusammen?

Zuzug erhöht die Nachfrage nach Wohnraum. Ob daraus steigende Mieten entstehen, hängt davon ab, wie stark das Wohnungsangebot mitwächst. Der Wanderungssaldo beschreibt den Netto-Zuwachs an Einwohnern, nicht die Zahl der verfügbaren Wohnungen oder das Mietniveau. Ein hoher Saldo allein erlaubt daher keine Aussage über Mietpreise.

Für einen Städtevergleich wird der Zuzugsdruck deshalb mit dem Wohnungsangebot verknüpft. Drei Kennzahlen bilden diese Beziehung ab:

KennzahlWas sie zeigtLesart beim Vergleich
WanderungssaldoNetto-Zuzug von Personen pro JahrHoher Wert bei wenig Neubau spricht für Druck auf den Markt
NeubauquoteAnteil neu errichteter Wohnungen am BestandNiedrige Quote bei hohem Zuzug deutet auf Angebotsknappheit hin
LeerstandsquoteAnteil leerstehender Wohnungen am BestandSehr niedrige Werte kennzeichnen einen engen Markt

Auf der Preisseite sind zwei Größen relevant. Die Angebotsmiete je Quadratmeter zeigt, was neu inserierte Wohnungen kosten, und ist für den Vergleich zweier Städte das direkteste Maß. Der Mietpreisindex zeigt dagegen die zeitliche Entwicklung. Erst wenn beide Größen über mehrere Jahre gemeinsam betrachtet werden, lässt sich erkennen, ob Mieten im Gleichlauf mit dem Zuzug steigen.

Ein gleichzeitiger Anstieg von Wanderungssaldo und Mieten ist ein Hinweis, kein Beweis für Ursache und Wirkung. Einkommensentwicklung, Bestandsmieten und Bauvorschriften wirken ebenfalls auf den Preis. Die Datenbasis enthält nur die Wanderungssalden für 2023, Mietdaten fehlen. Die Zeitreihen müssen daher separat abgerufen werden.

Wo finde ich aktuelle Daten zur Wanderung?

Die Primärquelle für Zu- und Fortzüge in Deutschland ist das Statistische Bundesamt (Destatis). Die Statista-Angaben zu Wanderungssalden beruhen laut Statista auf der Destatis-Tabelle 12711-91-01-4. Wer Zahlen für einen Städtevergleich verwendet, sollte deshalb zuerst diese Tabelle direkt aufrufen und nicht nur Sekundärseiten übernehmen.

Vor dem Übernehmen sollte die Tabellenstruktur geprüft werden:

  • Welche Zeile gehört zu welcher Stadt oder Gemeinde, und welche Spalte weist Zuzüge, welche Fortzüge aus.
  • Ob der Saldo bereits ausgewiesen wird oder aus Zuzügen minus Fortzügen selbst zu bilden ist.
  • Welches Berichtsjahr die Tabelle abdeckt und ob Angaben zum Stand oder zu Revisionen beigefügt sind.

Statista eignet sich als Sekundärquelle für einen schnellen Überblick, weil die Werte aufbereitet und grafisch dargestellt werden. Die Angabe in den vorliegenden Daten ist mit „Daten: Statistisches Bundesamt“ gekennzeichnet und datiert auf den 4. August 2025. Dieses Datum bezeichnet den Stand der Statista-Seite, nicht zwingend den Stand der zugrunde liegenden Destatis-Daten. Ob für das gewählte Berichtsjahr eine neuere oder revidierte Fassung existiert, lässt sich nur direkt bei Destatis prüfen.

QuelleRolle im VergleichPrüfpunkt
Destatis, Tabelle 12711-91-01-4OriginalzahlenBerichtsjahr und Revisionsstand
Statista (Daten: Statistisches Bundesamt)Überblick und DarstellungErscheinungsdatum und Verweis auf Destatis

Wanderungszahlen beziehen sich auf einen Berichtszeitraum, also auf das Kalenderjahr, nicht auf einen Stichtag.

Häufig gestellte Fragen

Was genau misst der Wanderungssaldo einer Stadt?

Der Wanderungssaldo ist eine Nettozahl: Sie zieht die Fortzüge von den Zuzügen ab. Ein positiver Wert bedeutet, dass per Saldo mehr Menschen in die Stadt gezogen sind, als sie verlassen haben.

Warum reicht die Zahl allein nicht für einen Vergleich?

Hohe Zu- und Fortzüge können sich im Saldo fast gegenseitig neutralisieren, obwohl viel Bewegung stattfindet. Ohne Bezug zur Einwohnerzahl der Stadt lässt sich aus einem absoluten Wert zudem kaum ableiten, wie stark der Effekt relativ ausfällt.

Welche Werte gelten für 2023, und wo fehlen Daten?

Laut Statista (Daten: Statistisches Bundesamt, Stand 4. August 2025) liegt Berlin 2023 bei rund 32.765 und Hamburg bei rund 19.900. Für München, Köln und Frankfurt am Main liegen in dieser Datenbasis keine Werte vor, weshalb der Originaldatensatz des Statistischen Bundesamts die verlässliche Grundlage für einen vollständigen Vergleich bleibt.