Dürre wird beim UFZ-Dürremonitor nicht über einen absoluten Bodenfeuchtewert bestimmt, sondern über einen Perzentilansatz. Die aktuelle Bodenfeuchte wird mit den Werten des Referenzzeitraums 1974 bis 2023 verglichen. Liegt sie unter dem langjährigen 20-Perzentil, gilt sie als Dürre. Zusätzlich wird eingestuft, wie selten ein solcher Zustand auftritt, mit Wiederkehrperioden von etwa 3 bis 50 Jahren.

Wie wird Dürrerisiko gemessen?

Vergleich mit dem Referenzzeitraum

Ein einzelner Bodenfeuchtewert sagt wenig, solange unbekannt ist, wie hoch oder niedrig er im langjährigen Vergleich liegt. Die Auswertung geht deshalb in zwei Schritten vor:

  1. Die aktuelle Bodenfeuchte wird erfasst.
  2. Der Wert wird in die Verteilung des Perzentilansatzes eingeordnet, also in die historischen Werte des Referenzzeitraums 1974 bis 2023.

Die Dürreschwelle beim 20-Perzentil

Das 20-Perzentil ist die Grenze, unterhalb derer nur die niedrigsten 20 Prozent der historischen Werte liegen. Erst wenn die aktuelle Bodenfeuchte darunter fällt, wird der Zustand als Dürre eingestuft. Werte knapp über dieser Grenze gelten also noch nicht als Dürre, auch wenn sie unterdurchschnittlich sind.

Wiederkehrperioden zur Einordnung

Die Dürreklassen reichen von ungewöhnlicher Trockenheit mit einer Wiederkehrperiode von etwa 3 Jahren bis zu außergewöhnlicher Dürre mit etwa 50 Jahren. Die Wiederkehrperiode gibt an, wie oft ein vergleichbarer Zustand statistisch zu erwarten ist: Bei 3 Jahren tritt er vergleichsweise häufig auf, bei 50 Jahren ist er selten.

Wie wird Dürrerisiko gemessen?

Welche Regionen trocknen am stärksten aus?

Am stärksten betroffen ist laut der UFZ-Sommerbilanz 2026 (Stand 4. September 2026) der Süden Deutschlands. Dort führten Hitzewellen zusammen mit wenig Niederschlag zu extremer Bodentrockenheit. Spätere Entwicklungen sind darin nicht erfasst. Für andere Regionen enthält die Quelle keine vergleichbaren Angaben, ein belegter Regionenvergleich über den Süden hinaus ist daher nicht möglich.

Wirkung von Hitzewellen bei geringem Niederschlag

Hitze erhöht die Verdunstung, während ausbleibender Regen dem Boden kein Wasser zuführt. Trocknet der Boden über mehrere Wochen so aus, verschärft sich die Lage schneller, als sie sich erholen kann. Für Pflanzen zählt vor allem das pflanzenverfügbare Wasser im Oberboden (0–25 cm). Die Quelle nennt dafür drei Schwellenwerte:

Pflanzenverfügbares Wasser im OberbodenZustand
unter 50 % der nutzbaren FeldkapazitätTrockenstress beginnt
unter 30 % der nutzbaren FeldkapazitätWasserstress der Pflanzen
0 %Welkepunkt

Einordnung für den Regionenvergleich

Eine Aussage zur Bodentrockenheit gilt für die Tiefe und den Ort, an dem gemessen wurde. Sie lässt sich nicht pauschal auf ein ganzes Bundesland übertragen. Wer Standorte vergleicht, sollte daher prüfen, ob die Karte den Oberboden oder den Gesamtboden zeigt und auf welche Tiefe sich die Angabe bezieht.

Was zeigt der UFZ-Dürremonitor für Landkreise?

Der UFZ-Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt täglich den Bodenfeuchtezustand in Deutschland. Die Werte stammen aus dem hydrologischen Modell mHM. Für einen Vergleich zwischen Regionen ist der technische Aufbau entscheidend: die Rastergröße, der Aktualisierungsrhythmus und die erfassten Bodenschichten.

Rastergröße und Datenbasis

Der Monitor arbeitet mit einem Raster von etwa 1 km. Dadurch lässt sich der Bodenzustand kleinräumiger darstellen als in einer groben Landesübersicht. Wie stark sich diese Auflösung innerhalb eines einzelnen Landkreises auswirkt, hängt davon ab, welche Kartenansicht gewählt wird.

Als Datengrundlage dienen rund 2.500 Stationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die Stationsdaten fließen in die Modellrechnung ein, die anschließend auf das 1-km-Raster übertragen wird.

Aktualisierung

Der Monitor wird nachts aktualisiert. Der angezeigte Tageszustand beruht damit auf den Daten, die bis zur Aktualisierung vorliegen. Wer Karten für einen bestimmten Tag auswertet, sollte deshalb den Stand des Monitors prüfen und nicht einen älteren Zwischenstand verwenden.

Bodenschichten

SchichtTiefe
Oberboden0 bis 25 cm
Gesamtbodenbis etwa 2 m

Beide Schichten werden getrennt ausgewiesen. So lässt sich unterscheiden, ob die Trockenheit nur die oberste Bodenschicht betrifft oder bis in größere Tiefe reicht.

Warum sind sandige Böden anfälliger?

Sandige Böden speichern weniger Wasser als lehmige oder tonige Böden. Ihre Poren sind grob, Sickerwasser fließt schnell ab, und der Anteil, den Pflanzen aufnehmen können, bleibt klein. Die Bezugsgröße dafür ist die nutzbare Feldkapazität (nFK): die Wassermenge, die der Boden gegen die Schwerkraft halten kann, abzüglich des Teils, den Pflanzen nicht mehr aufnehmen können.

Die Schwellenwerte für Trockenstress werden in Prozent dieser nFK angegeben. Entscheidend ist, dass ein Prozentwert auf einem sandigen Standort eine geringere absolute Wassermenge bedeutet als auf einem lehmigen Standort mit derselben Prozentangabe. Die Schwellen beziehen sich auf die nFK des jeweiligen Standorts. Bei gleichem Prozentwert unterscheidet sich daher die absolute Wassermenge je nach Bodenart. Wie schnell ein Standort die Schwellen erreicht, nennt die Quelle nicht.

Für den Vergleich von Landkreisen gilt: Ein Wert von 40 % sagt nur dann etwas über das Risiko aus, wenn die Bodenart bekannt ist.

Warum sind sandige Böden anfälliger?

Wie schneidet mein Landkreis ab?

Der Monitor zeigt Bodenfeuchte als Rasterkarte, nicht als fertige Kreiswertung. Laut UFZ gibt es Karten und Downloads für einzelne Bundesländer. Eine Auswertung auf Landkreisebene nennt die Quelle nicht. Die Einordnung eines Landkreises ist deshalb ein eigener Arbeitsschritt: Man sammelt die Werte der Fläche und vergleicht sie mit den Nachbarkreisen.

Flächenmittel für die Kreisgrenze bilden

Die Flächenmittel-Methode funktioniert in drei Schritten:

  • Die Grenze des Landkreises aus der amtlichen Verwaltungsgeometrie übernehmen.
  • Alle Rasterzellen erfassen, deren Mittelpunkt innerhalb dieser Grenze liegt.
  • Die Werte dieser Zellen arithmetisch mitteln und das Ergebnis für den Stichtag notieren.

Gegen Nachbarkreise vergleichen

Für die direkten Nachbarkreise gilt dasselbe Verfahren, mit identischem Stichtag und identischer Bodenschicht.

Die Perzentilwerte beziehen sich auf den Referenzzeitraum 1974–2023. Ein Kreis fällt deshalb nicht allein durch einen niedrigen Wert auf, sondern durch die Abweichung vom eigenen langjährigen Verlauf.

Ausreißer und Jahreszeiten getrennt auswerten

Ein Ausreißer ist eine einzelne Zelle mit deutlich abweichendem Wert. Im Mittel geht sie unter, verzerrt es aber bei wenigen Zellen. Deshalb den Median zusätzlich zum Mittel angeben und Extremzellen gesondert ausweisen, statt sie stillschweigend einzurechnen.

Ebenso sollten Jahreszeiten getrennt betrachtet werden. Ein Jahresmittel kann eine kurze Trockenphase im Sommer mit dauerhafter Trockenheit verwechseln. Frühjahr, Sommer und Herbst daher einzeln auswerten und gegen die Nachbarkreise für dieselbe Jahreszeit setzen.

Was bedeutet Trockenheit für Wohnort und Immobilien?

Anhaltende Trockenheit wirkt auf Wohnlagen über drei Wege: Setzungen des Baugrunds, den Grundwasserstand und die Wasserversorgung. Der UFZ-Dürremonitor liefert dafür eine Grundlage zur Bodenfeuchte. Er ersetzt aber weder ein Baugrundgutachten noch Auskünfte der örtlichen Wasserbehörde. Ein Vergleich von Wohnorten sollte Bodenschicht, Zeitraum und Referenz einheitlich halten.

Setzungsschäden an trockenen Tonböden

Tonhaltige Böden verändern ihr Volumen mit dem Wassergehalt. Sie schrumpfen bei Austrocknung und quellen bei Wiedervernässung wieder auf. Wird der Untergrund ungleichmäßig trocken, etwa auf einer stark besonnten Gebäudeseite oder unter Bäumen mit tiefen Wurzeln, entstehen Setzungen. Diese zeigen sich als Risse im Mauerwerk, klemmende Türen oder Verwerfungen an Bodenplatten. Solche Schäden können zeitverzögert auftreten. Für ein konkretes Grundstück klärt das ein Baugrundgutachten.

Für die Bewertung einer Lage zählt die Bodentiefe. Der UFZ-Dürremonitor unterscheidet zwei Ebenen:

EbeneTiefeRelevanz für Wohnorte
Oberboden0–25 cmWasserhaushalt von Gärten und Bepflanzung, erste Reaktion auf Trockenheit
Gesamtbodenbis etwa 2 mTiefer reichende Setzungen; bei der Frage nach Gründungstiefen die relevantere Ebene

Grundwasserstand und Wasserversorgung

Der Grundwasserstand reagiert oft zeitverzögert auf Trockenheit, weil Niederschläge erst verzögert in tiefere Schichten gelangen. Der Bodenfeuchtewert allein sagt daher wenig über die Grundwasserlage aus. Fragen Sie für jede Gemeinde beim zuständigen Wasserversorger nach, ob Fördermengen angepasst werden, ob Beschränkungen für die Gartenbewässerung gelten und wie die Versorgung in Hitzeperioden gesichert ist. Diese Angaben sind lokal und ändern sich, daher sollten sie getrennt von den Landkreisdaten geprüft werden.

Kaufpreise der Gutachterausschüsse mit Trockenheitsdaten auswerten

Um Trockenheit und Immobilienpreise zu verbinden, gehen Sie in zwei Schritten vor:

  1. Kaufpreisauswertungen der Gutachterausschüsse für eine Gemeinde oder einen Landkreis über mehrere Jahre sammeln, soweit sie im jeweiligen Bundesland verfügbar sind, getrennt nach Objekttyp (Wohnung, Haus).
  2. Die Bodenfeuchte-Auswertung des Dürremonitors für denselben Raum und Zeitraum danebenlegen, getrennt nach Oberboden und Gesamtboden.

Welche Daten sind öffentlich verfügbar?

Für einen Vergleich von Landkreisen kommen drei Quellen in Frage: die Niederschlags- und Temperaturreihen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die Kaufpreisauswertungen der Gutachterausschüsse (Zugang je Bundesland unterschiedlich) und die Bodenfeuchtedaten des UFZ. Sie beziehen sich auf unterschiedliche Größen und liegen in unterschiedlichen Formaten vor, weshalb sie getrennt geladen und erst danach auf dieselbe räumliche Einheit, etwa den Landkreis, übertragen werden sollten.

QuelleInhaltNutzen im Vergleich
Deutscher Wetterdienst (DWD)Niederschlags- und TemperaturreihenKlimaprofil je Landkreis
Kaufpreissammlung der GutachterausschüsseKaufpreise von Immobilien (Zugang je Bundesland unterschiedlich)Preisniveau je Region
UFZ-DürremonitorBodenfeuchte, Karten und Downloads je BundeslandTrockenheitsverlauf je Region

Wetterdaten des DWD

Der DWD stellt die Niederschlags- und Temperaturreihen bereit. Auch der UFZ-Dürremonitor stützt sich darauf: Er wird nachts mit Daten von rund 2.500 DWD-Stationen aktualisiert. Für einen Landkreisvergleich werden die Messwerte den Kreisen zugeordnet und über einen gemeinsamen Zeitraum gemittelt. Landkreise mit wenigen Messstationen können so ungenau abgebildet sein, daher lohnt ein Blick auf die Stationsdichte, bevor man Unterschiede deutet.

Kaufpreise der Gutachterausschüsse

Die Gutachterausschüsse führen die Kaufpreissammlung, aus der sich Preisniveaus je Gemeinde oder Landkreis ableiten lassen. Umfang und Veröffentlichungsform unterscheiden sich je nach Bundesland und Gutachterausschuss. Vor dem Vergleich sollte daher geprüft werden, für welche Regionen und Zeiträume Auswertungen tatsächlich vorliegen, damit keine Lücken als Null-Werte interpretiert werden.

Bodenfeuchtedaten des UFZ

Der UFZ-Dürremonitor zeigt täglich den Bodenfeuchtezustand in Deutschland und bietet Downloads auch für einzelne Bundesländer an. Für einen regionalen Vergleich ist das der praktische Einstieg, weil die Dateien bereits auf ein Bundesland zugeschnitten sind.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann gilt eine Trockenheit im UFZ-Dürremonitor als Dürre?

Eine Bodenfeuchte gilt erst dann als Dürre, wenn sie zu den trockensten 20 Prozent der Werte von 1974 bis 2023 gehört. Ein Standort, der nur etwas unter dem Durchschnitt liegt, fällt daher noch nicht in diese Kategorie.

Lassen sich Landkreise direkt im UFZ-Dürremonitor gegenüberstellen?

Nicht unmittelbar. Der Monitor stellt Karten und Downloads für einzelne Bundesländer bereit, eine Auswertung auf Kreisebene nennt die Quelle nicht. Für einen Kreisvergleich müssen Bodendaten deshalb mit den Niederschlags- und Temperaturreihen des Deutschen Wetterdienstes kombiniert werden.

Welche Angaben müssen zwei Standorte gemeinsam haben, um verglichen zu werden?

Bodenschicht, Stichtag und Referenzzeitraum müssen übereinstimmen, damit die Werte überhaupt vergleichbar sind. Diese Vergleichbarkeit ist die Voraussetzung für jede Gegenüberstellung von Landkreisen.

Weiterlesen