Die Abwassergebühr in Hessen lag 2025 im Landesmittel bei 2,75 € pro Kubikmeter (m³). Die Gemeinden lagen zwischen 1,30 € in Idstein und 6,99 € in Modautal. In Nordrhein-Westfalen reichte die Schmutzwassergebühr 2023 von 1,26 € pro m³ in Reken bis 6,21 € pro m³ in Monschau. Die Preisspanne innerhalb eines Bundeslandes ist also sehr groß.

Was kostet Abwasser pro Kubikmeter in Deutschland?

Der Preis pro Kubikmeter wird von der jeweiligen Gemeinde festgelegt. Für einen Vergleich auf Landesebene sind zwei Kennzahlen wichtig: der Mittelwert und die Spannweite zwischen der günstigsten und der teuersten Gemeinde.

Hessen: Mittelwert und Spannweite 2025

Laut der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK), mit Verweis auf das Hessische Statistische Landesamt, lag die Abwassergebühr 2025 im Mittel bei 2,75 € pro m³. Die Spannweite reichte von 1,30 € in Idstein bis 6,99 € in Modautal. Die Differenz zwischen günstigster und teuerster Gemeinde beträgt damit 5,69 € pro m³.

Der Mittelwert liegt deutlich näher am unteren Ende der Spanne als am oberen. Der Mittelwert liegt mit 2,75 € gut doppelt so hoch wie der günstigste Wert (1,30 €), der Höchstwert von 6,99 € entspricht etwa dem 2,5-Fachen des Mittels. Aussagen darüber, was die meisten Haushalte zahlen, erlauben diese drei Kennzahlen nicht.

Nordrhein-Westfalen: Schmutzwassergebühr 2023

Der Bund der Steuerzahler NRW nennt für 2023 eine Schmutzwassergebühr zwischen 1,26 € pro m³ in Reken und 6,21 € pro m³ in Monschau. Die Spanne beträgt somit 4,95 € pro m³. Ein Landesmittelwert pro Kubikmeter ist in dieser Quelle nicht angegeben.

Vergleich der Kennzahlen

BundeslandErhebungsjahrKennzahlGünstigste GemeindeTeuerste Gemeinde
Hessen2025Mittel 2,75 € pro m³ (Abwassergebühr)Idstein: 1,30 € pro m³Modautal: 6,99 € pro m³
Nordrhein-Westfalen2023Schmutzwassergebühr (ohne Landesmittel)Reken: 1,26 € pro m³Monschau: 6,21 € pro m³

Einordnung der Werte

Beide Bundesländer lassen sich nur eingeschränkt direkt gegenüberstellen. Die hessische Angabe bezieht sich auf die Abwassergebühr insgesamt, die nordrhein-westfälische Angabe nur auf das Schmutzwasser. Außerdem liegen zwei Jahre zwischen den Erhebungen. Für eine Aussage über den Preisunterschied zwischen Hessen und NRW fehlen daher vergleichbare Daten.

Innerhalb jedes Bundeslandes ist die Spanne groß: In Hessen kostet die teuerste Gemeinde etwa das 5,4-Fache der günstigsten, in NRW beim Schmutzwasser etwa das 4,9-Fache. Ob sich ein Umzug lohnt, hängt deshalb stark vom konkreten Ort ab und nicht vom Landesdurchschnitt.

Was kostet Abwasser pro Kubikmeter in Deutschland?

Warum unterscheiden sich die Gebühren so stark?

Die Gebühr pro Kubikmeter ergibt sich aus den Kosten der Entwässerung, geteilt durch die abgeleitete Abwassermenge. Mögliche Einflussfaktoren sind die Zahl der Anschlüsse, auf die sich die Kosten eines Netzes verteilen, und der Zustand dieses Netzes. Die Quellen belegen das nicht für einzelne Orte. Die folgenden Faktoren wirken strukturell. Sie erklären, warum zwei Kommunen ähnlicher Größe deutlich unterschiedliche Sätze haben können.

Kostendeckung und Organisationsform

Gebühren sollen in der Regel die Kosten der öffentlichen Entwässerung decken. Dazu zählen Betrieb, Personal, Abschreibungen und Finanzierung der Kanalisation. Die Organisationsform bestimmt, wie diese Kosten erfasst und zugeordnet werden: Ein Regiebetrieb der Gemeinde, ein Eigenbetrieb oder ein Zweckverband verbucht Investitionen und Personal anders als eine ausgegliederte Gesellschaft. Gleich aufgebaute Netze können so zu unterschiedlichen Gebührensätzen führen, ohne dass sich ihr technischer Zustand unterscheidet.

Netzalter, Sanierungsstau und Leitungslänge je Einwohner

  • Sanierungsstau: Kanäle, deren Erneuerung seit Jahren aufgeschoben wird, erzeugen einen Investitionsbedarf. Dieser muss früher oder später über die Gebühr finanziert werden.
  • Netzalter: Ein überwiegend altes Netz muss in absehbarer Zeit ersetzt werden. Die Kosten fallen dann in kurzer Zeit an und schlagen stärker auf die Gebühr durch als bei einem jungen Netz.
  • Leitungslänge je Einwohner: Je mehr Kanalmeter auf einen Einwohner entfallen, desto höher sind die Kosten pro angeschlossener Person.

Bevölkerungsdichte und Anschlussquote je Kilometer Kanal

Die Anschlussquote je Kilometer Kanal zeigt, wie viele Grundstücke an einem Streckenkilometer hängen. In dichten Quartieren verteilen sich die Kosten auf viele Anschlüsse, in Streusiedlungen auf wenige. Hinzu kommt das Niederschlagswasser: Wird es über das Netz abgeleitet, hängt die Belastung von der versiegelten Fläche ab. In Hessen ist das Niederschlagswasserentgelt eine eigene Position, die 391 Städte und Gemeinden erheben. In NRW gibt es ebenfalls ein separates Niederschlagswasserentgelt, das sich nach versiegelter Fläche bemisst.

Einordnung der Beispielorte

Die Quellen nennen Werte für Idstein, Modautal, Reken und Monschau sowie eine Entwicklung für Frankfurt am Main, enthalten aber keine Angaben zu Netzalter, Sanierungsstand oder Anschlussdichte dieser Orte. Ihre Unterschiede lassen sich deshalb nicht auf eine bestimmte Ursache zurückführen. Für eine eigene Bewertung sollten Sie bei jeder Gemeinde Organisationsform, Investitionsstand und Netzlänge pro Einwohner gesondert prüfen.

Schmutzwasser und Niederschlagswasser: Was ist der Unterschied?

Kommunale Abwassergebühren setzen sich in der Regel aus zwei getrennt berechneten Entgelten zusammen. Das Schmutzwasserentgelt betrifft das Wasser, das im Haushalt verbraucht und abgeleitet wird. Das Niederschlagswasserentgelt betrifft Regenwasser, das von befestigten Flächen abfließt. Beide Posten haben unterschiedliche Bemessungsgrundlagen. Gebühren verschiedener Städte sind deshalb nur vergleichbar, wenn klar ist, welcher Posten gemeint ist.

Schmutzwasser wird nach dem Frischwasserverbrauch in Kubikmetern abgerechnet. Maßgeblich ist also die Menge, die ein Haushalt bezieht, nicht die Größe des Grundstücks.

Niederschlagswasser wird nach der versiegelten Fläche berechnet, also nach dem Teil des Grundstücks, auf dem Regen nicht versickern kann, etwa Dach, Zufahrt oder Terrasse. Der Wasserverbrauch spielt dabei keine Rolle. Ob ein Niederschlagswasserentgelt überhaupt erhoben wird, entscheidet die jeweilige Kommune. In Hessen sind es 391 Städte und Gemeinden.

Die Spannen aus den Erhebungen zeigen, wie weit die Sätze auseinanderliegen:

MerkmalSchmutzwasserentgeltNiederschlagswasserentgelt
BemessungsgrundlageFrischwasserverbrauchversiegelte Fläche
EinheitEuro pro m³Euro pro m² versiegelter Fläche
NRW (2023)1,26 € (Reken) bis 6,21 € (Monschau)0,15 € (Schloß Holte-Stukenbrock) bis 2,03 € (Viersen)
HessenKeine getrennte Angabe; Abwassergebühr insgesamt 2025: Mittel 2,75 €; 1,30 € (Idstein) bis 6,99 € (Modautal)Erhoben von 391 Städten und Gemeinden (Höhe nicht angegeben)

Abwassergebühren im Vergleich der günstigsten und teuersten Kommunen

Die Extremkommunen lassen sich nur sinnvoll vergleichen, wenn man das Verhältnis der Gebühren bildet, nicht die Rohwerte. Ein Verhältnis zeigt, um wie viel teurer die teuerste Kommune gegenüber der günstigsten ist, und bleibt damit unabhängig von der Gebührenhöhe im jeweiligen Bundesland. Die Berechnung ist ein einfacher Quotient: höchster Wert geteilt durch niedrigsten Wert.

Hessen: Modautal zu Idstein

KommuneBundeslandJahrAbwassergebühr (€ pro m³)
IdsteinHessen20251,30 (niedrigster Wert)
ModautalHessen20256,99 (höchster Wert)

Modautal kostet pro Kubikmeter etwa das 5,4-Fache von Idstein (6,99 € geteilt durch 1,30 € ≈ 5,4). Die Quelle nennt die Werte als Abwassergebühr ohne weitere Aufschlüsselung; das Verhältnis gilt also für die Gesamtgebühr pro Kubikmeter, wie sie in der Quelle erscheint.

NRW: Monschau zu Reken

KommuneBundeslandJahrSchmutzwassergebühr (€ pro m³)
RekenNRW20231,26 (niedrigster Wert)
MonschauNRW20236,21 (höchster Wert)

Beim Schmutzwasser liegt Monschau rund das 4,9-Fache über Reken (6,21 € geteilt durch 1,26 € ≈ 4,9). Anders als bei Hessen geht es hier ausdrücklich um die Schmutzwassergebühr, also das Entgelt für das abgeleitete häusliche Schmutzwasser.

Einordnung nach Preisstufe und Lage

  • Obere Preisstufe: Modautal (Hessen) und Monschau (NRW) bilden jeweils das obere Ende ihres Bundeslands. Das Verhältnis fällt hier mit 5,4 bzw. 4,9 jeweils ähnlich hoch aus, obwohl die Erhebungsgrundlagen unterschiedlich sind.
  • Untere Preisstufe: Idstein (Hessen) und Reken (NRW) sind die jeweils günstigsten Kommunen ihres Bundeslands und setzen die Bezugspunkte für die Quotienten.
  • Lage: Die vorliegenden Daten ordnen die Kommunen nur auf Bundeslandebene ein. Eine Einordnung nach Region, Ortsgröße oder ländlichem Raum ist damit nicht belegt und sollte nicht aus den Namen abgeleitet werden.

Abwassergebühren im Vergleich der günstigsten und teuersten Kommunen

Wo ist Abwasser am günstigsten und wo am teuersten?

Für NRW lässt sich die Rangfolge über einen festen Musterhaushalt bestimmen. Im Jahr 2023 zahlte der günstigste Ort, Reken, 287 Euro pro Jahr. Der teuerste Ort, Monschau, verlangte 1.434 Euro. Der Landesdurchschnitt lag bei 755 Euro.

Grundlage des Vergleichs

Der Bund der Steuerzahler NRW berechnet die Jahreskosten für einen Musterhaushalt mit vier Personen, 200 Kubikmetern Frischwasser pro Jahr und 130 Quadratmetern versiegelter Fläche. Weil alle Kommunen dieselben Eingangswerte erhalten, sind die Jahresbeträge direkt vergleichbar. Ohne diese feste Vorgabe ließen sich Beträge aus verschiedenen Orten nicht gegenüberstellen, da der Verbrauch die Summe unmittelbar bestimmt.

Ranking der Jahreskosten

PositionKommuneJahreskosten 2023
günstigsteReken287 €
LandesdurchschnittNRW gesamt755 €
teuersteMonschau1.434 €

Die Spanne zwischen den beiden Extremen beträgt rechnerisch 1.147 Euro pro Jahr. Monschau kostet damit etwa das Fünffache von Reken (1.434 geteilt durch 287 ergibt rund 5,0). Gegenüber dem Landesdurchschnitt liegt Monschau 679 Euro darüber, Reken 468 Euro darunter.

Grenzen der Aussage

Die Werte beziehen sich ausschließlich auf das Jahr 2023 und auf Nordrhein-Westfalen. Die Quellen enthalten keine Musterhaushalt-Werte für andere Jahre oder Bundesländer. Die hessischen Angaben des Hessischen Statistischen Landesamts sind Mittelwerte pro Kubikmeter und lassen sich nicht mit diesem Musterhaushalt-Ranking gleichsetzen.

Wie berechnet man die Jahreskosten eines Haushalts?

Die Jahresabwassergebühr setzt sich aus drei Posten zusammen: Schmutzwasser, Niederschlagswasser und feste Grund- und Zählergebühren. Die beiden ersten Posten werden berechnet, der dritte wird übernommen.

Schritt 1: Schmutzwasserkosten. Der Frischwasserverbrauch des Haushalts in Kubikmetern steht in der Jahresabrechnung des Wasserversorgers. Er wird mit der Schmutzwassergebühr pro m³ multipliziert. Der Musterhaushalt des Bundes der Steuerzahler NRW hat vier Personen und 200 m³ Frischwasser pro Jahr. Das Ergebnis lautet also: 200 m³ × Schmutzwassergebühr (€/m³).

Schritt 2: Niederschlagskosten. Die versiegelte Fläche umfasst alle Flächen, auf denen Regenwasser nicht versickern kann, etwa Dach, Terrasse, Zufahrt und befestigter Hof. Sie wird in Quadratmetern erfasst und mit der Niederschlagswassergebühr pro m² multipliziert. Der Musterhaushalt hat 130 m² versiegelte Fläche. Das Ergebnis lautet: 130 m² × Niederschlagswassergebühr (€/m²).

Schritt 3: Feste Posten. Die Grund- und Zählergebühren hängen weder von Verbrauch noch von Fläche ab. Sie stehen im Gebührenbescheid der Kommune und werden direkt übernommen.

PostenFormelHerkunft der Werte
SchmutzwasserFrischwasser (m³) × Schmutzwassergebühr (€/m³)Jahresabrechnung des Wasserversorgers, Gebührenbescheid
Niederschlagswasserversiegelte Fläche (m²) × Niederschlagswassergebühr (€/m²)eigene Flächenerfassung, Gebührenbescheid
Grund- und Zählergebührenfester BetragGebührenbescheid, direkt übernehmen

Die Jahreskosten ergeben sich aus der Summe der drei Posten.

Wie haben sich die Gebühren entwickelt und wie prüft man die eigene Kommune?

Zwischen 2005 und 2025 stiegen die Abwasserentgelte in Hessen insgesamt um 12,2 %. Dieser Landeswert verdeckt deutliche Unterschiede zwischen den Kommunen, denn Frankfurt am Main verzeichnete im selben Zeitraum mit −17,6 % die stärkste Senkung.

GebietVeränderung Abwasserentgelte 2005–2025
Hessen gesamt+12,2 %
Frankfurt am Main−17,6 %

Ein Landesmittel beschreibt die Lage einzelner Städte und Gemeinden daher nur begrenzt. Wer die künftige Entwicklung am Wohnort einschätzen will, sollte die Werte der eigenen Kommune über einen längeren Zeitraum betrachten.

Investitionsbedarf der Abwassernetze

Die vorliegenden Daten enthalten keine Angaben zum Investitionsbedarf kommunaler Abwassernetze. Aussagen über künftige Gebührenhöhen lassen sich daraus deshalb nicht ableiten.

So prüfen Sie den Kurs Ihrer Kommune

  1. Gebührenverlauf über mehrere Jahre sichern: Nutzen Sie Gebührenbescheide oder die jeweils gültige Satzung der Kommune, um die Entwicklung nachzuvollziehen.
  2. Kalkulationsgrundlagen prüfen: Fragen Sie nach der aktuellen Gebührenkalkulation oder den Wirtschaftsplänen des zuständigen Eigenbetriebs bzw. der Stadtwerke.
  3. Sanierungsvorhaben erfassen: Achten Sie darauf, ob in diesen Unterlagen größere Netzerneuerungen oder Sanierungen ausgewiesen sind.
  4. Mit dem Landesdurchschnitt abgleichen: Vergleichen Sie den Verlauf Ihrer Kommune mit der hessenweiten Entwicklung von +12,2 % und der jeweiligen Veränderung über denselben Zeitraum.

Ob eine Kommune künftig stärker oder schwächer steigt, zeigt sich in der Regel erst, wenn Kalkulation und Investitionsplanung zusammen betrachtet werden.

Häufig gestellte Fragen

Sind die Werte aus Hessen und NRW direkt vergleichbar?

Nur eingeschränkt. Die hessischen Angaben beziehen sich auf die Abwassergebühr insgesamt und stammen aus 2025, die nordrhein-westfälischen auf die Schmutzwassergebühr aus 2023. Für NRW nennt die Quelle zudem keinen Landesmittelwert.

Was zahlt ein Vier-Personen-Haushalt in NRW pro Jahr für Abwasser?

Im Musterhaushalt des Bundes der Steuerzahler NRW mit 4 Personen, 200 m³ Frischwasser und 130 m² versiegelter Fläche lagen die Kosten 2023 zwischen 287 € in Reken und 1.434 € in Monschau. Der Landesdurchschnitt betrug 755 €.

Wie wird das Niederschlagswasser in NRW abgerechnet?

Die Niederschlagswassergebühr richtet sich nach der versiegelten Fläche in Quadratmetern und nicht nach dem Frischwasserverbrauch. 2023 lag sie in NRW zwischen 0,15 € und 2,03 € pro m² versiegelter Fläche, mit Schloß Holte-Stukenbrock als günstigstem und Viersen als teuerstem Wert.