Die Hausarztdichte gibt an, wie viele Hausärztinnen und Hausärzte rechnerisch auf 100.000 Einwohner kommen. Die Datenbasis ist der Stand vom 31.12.2018 aus dem KBV-Bundesarztregister. Damit lassen sich Städte, Kreise und Bundesländer vergleichen, sofern alle Gebiete auf denselben Stichtag und dieselbe Arztgruppe bezogen sind.
Wie dicht ist die Hausarztversorgung in Deutschland?
Welche Ärzte zählen zur Hausarztdichte?
Die Hausarztdichte erfasst nur drei Arztgruppen:
- Allgemeinmediziner
- praktische Ärzte
- hausärztlich tätige Internisten
Fachärzte, Psychotherapeuten und Krankenhausärzte fließen nicht ein. Wer Hausarztdichte und Gesamtarztdichte vergleicht, misst unterschiedliche Größen.
Wie wird die Kennzahl berechnet?
Die Formel lautet: Anzahl der Hausärzte geteilt durch die Einwohnerzahl, mal 100.000.
Rechenbeispiel: Ein Kreis mit 50 Hausärzten und 100.000 Einwohnern hat eine Hausarztdichte von 50. Der Wert ist eine reine Verhältniszahl und sagt nichts über Wartezeiten oder Entfernungen aus.
Datenbasis und Stichtag
Alle Werte beziehen sich auf den Stichtag 31.12.2018 und stammen aus dem KBV-Bundesarztregister. Die Ärzte Zeitung hat sie am 03.05.2019 veröffentlicht. Ältere Stichtage geben die aktuelle Besetzung nicht wieder, deshalb sollte man Zahlen aus verschiedenen Jahren nicht direkt nebeneinanderstellen.

Stadt und Land im Vergleich
Für eine Stadt-Land-Gegenüberstellung liegt in den verwendeten Daten nur die Gesamtarztdichte vor, nicht die Hausarztdichte. Sie misst alle niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten pro 100.000 Einwohner. Auf dieser Basis liegt die Spanne zwischen einer Universitätsstadt und einem ländlichen Kreis sehr weit auseinander: Freiburg im Breisgau erreicht 395,3, der Landkreis Coburg 84,3. Beide Werte gelten für den Stand 31.12.2018 und stammen aus den Daten des KBV-Bundesarztregisters, wie sie die Ärzte Zeitung am 3. Mai 2019 veröffentlichte.
| Gebiet | Typ | Arztdichte insgesamt pro 100.000 Einwohner (Stand 31.12.2018) |
|---|---|---|
| Freiburg im Breisgau | Stadt (oberer Endwert der Spanne) | 395,3 |
| Landkreis Coburg | ländlicher Kreis (unterer Endwert der Spanne) | 84,3 |
Die beiden Werte markieren die Ränder der Spanne, nicht Durchschnitte. Sie zeigen, dass die Versorgung innerhalb Deutschlands stark variiert. Die Quelle ordnet die Städte insgesamt als deutlich besser versorgt ein als ländliche Kreise. Dieses Muster beschreibt die Gruppen, nicht jeden Einzelfall. Ein einzelner Kreis lässt sich daraus nicht sicher bewerten.
Für den Vergleich ist wichtig, was in der Zahl steckt. Die Gesamtarztdichte umfasst Psychotherapeuten und Fachärzte, sodass sie für die Frage, wie gut die hausärztliche Grundversorgung ist, nur eingeschränkt aussagekräftig ist.
Welche Regionen haben die meisten und die wenigsten Hausärzte?
Am höchsten war die Hausarztdichte 2018 in Hamburg mit 74,1 Hausärzten pro 100.000 Einwohner, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (72,9) und Berlin (72,2). Am niedrigsten lagen Westfalen-Lippe (59,9), Hessen (64,9) und Sachsen-Anhalt (65,2). Der Stichtag für alle Werte ist der 31.12.2018.
Rangfolge nach Bundesland
| Rang | Höchste Hausarztdichte | Wert pro 100.000 | Rang | Niedrigste Hausarztdichte | Wert pro 100.000 |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Hamburg | 74,1 | 1 | Westfalen-Lippe | 59,9 |
| 2 | Mecklenburg-Vorpommern | 72,9 | 2 | Hessen | 64,9 |
| 3 | Berlin | 72,2 | 3 | Sachsen-Anhalt | 65,2 |
Die Spanne zwischen den sechs genannten Ländern beträgt 14,2 Hausärzte pro 100.000 Einwohner (74,1 minus 59,9). Westfalen-Lippe ist kein Bundesland, sondern ein Landesteil von Nordrhein-Westfalen. Der Wert steht deshalb nicht auf derselben Ebene wie die übrigen Länder.
Kreisspanne: Kaufbeuren und Herford
Auf Kreisebene ist der Unterschied größer. Der höchste Wert liegt in Kaufbeuren bei 95,9 Hausärzten pro 100.000 Einwohner, der niedrigste in Herford bei 50,4. Die Differenz beträgt 45,5 Hausärzte pro 100.000 Einwohner. Die Kreisspanne ist damit gut dreimal so breit wie die Länderspanne der genannten Länder. Die Kreisebene streut damit stärker als die Länderebene. Die beiden Extremkreise liegen allerdings in verschiedenen Bundesländern, daher lässt sich daraus keine Aussage über die Schwankung innerhalb eines einzelnen Bundeslands ableiten.
Wie weit ist der Weg zur Praxis?
Laut Auswertung der Pharmazeutischen Zeitung zum Gleichwertigkeitsbericht der Bundesregierung (Juli 2024) beträgt die durchschnittliche Fahrzeit zur nächsten Gesundheits- bzw. Pflegeeinrichtung in dünn besiedelten Kreisen 10,1 Minuten. Das ist fast doppelt so lang wie in den Großstädten. Einen Wert für Großstädte nennt die Quelle nicht, der Vergleich beschränkt sich daher auf dieses Verhältnis.
Für die Einordnung eines Wohnorts sind zwei Punkte wichtig:
- Durchschnittswert pro Kreistyp: Die 10,1 Minuten beschreiben dünn besiedelte Kreise insgesamt. Die Fahrzeit in einer einzelnen Gemeinde kann davon deutlich abweichen, deshalb muss die Entfernung für einen konkreten Ort selbst ermittelt werden.
- Einrichtungsbegriff: Gemessen wird die nächste Gesundheits- bzw. Pflegeeinrichtung, nicht die Hausarztpraxis. Aus dieser Zahl lässt sich nicht ablesen, ob die nächste Hausarztpraxis gleich weit entfernt liegt.
Für einen Vergleich zweier Wohnorte empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Den Wohnort oder das Quartier festlegen, dessen Anfahrt geprüft werden soll.
- Mit einem Routenplaner die Fahrzeit zur nächsten Hausarztpraxis und getrennt dazu zur nächsten Gesundheits- bzw. Pflegeeinrichtung abfragen.
- Nur die ermittelte Fahrzeit zur nächsten Gesundheits- bzw. Pflegeeinrichtung mit den 10,1 Minuten vergleichen, und nur wenn der Ort in einem dünn besiedelten Kreis liegt. Die Fahrzeit zur Hausarztpraxis hat keinen Referenzwert in der Quelle.
- Die Abfrage für jedes relevante Verkehrsmittel wiederholen, etwa Auto und öffentlichen Nahverkehr, da sich die Fahrzeit je nach Verkehrsmittel unterscheidet.

Was bedeutet der Versorgungsgrad in der Bedarfsplanung?
Der Versorgungsgrad setzt die tatsächliche Zahl niedergelassener Ärzte (Ist-Wert) ins Verhältnis zur rechnerisch vorgesehenen Zahl (Sollwert). Die Formel lautet: Ist-Wert geteilt durch Sollwert × 100. Das Ergebnis wird in Prozent angegeben. Ein Wert von 100 Prozent bedeutet, dass die Planung rechnerisch erfüllt ist.
Der Sollwert ergibt sich aus der ärztlichen Bedarfsplanung. Sie legt fest, wie viele Arztsitze in einem Gebiet vorgesehen sind, abhängig von Einwohnerzahl und Versorgungsstruktur. Der Versorgungsgrad macht daher sichtbar, ob ein Gebiet über oder unter dieser Planung liegt. Er sagt nichts über die absolute Anzahl der Ärzte aus, sondern nur über das Verhältnis zur Planung.
Für die Einordnung gelten folgende Schwellen, die sich auf die hausärztliche Bedarfsplanung beziehen:
| Versorgungsgrad | Einordnung |
|---|---|
| unter 75 Prozent | Unterversorgung |
| 75 bis 110 Prozent | Versorgung im Planungsrahmen |
| über 110 Prozent | Überversorgung |
Die Bewertung erfolgt je Planungsbereich. Planungsbereiche sind je nach Arztgruppe unterschiedlich zugeschnitten. Für Hausärzte sind es in der Regel Mittelbereiche, die nicht mit Kreisgrenzen übereinstimmen müssen. Ein Wert gilt damit für den gesamten Planungsbereich, nicht für einzelne Gemeinden oder Stadtteile. Innerhalb eines Kreises können Ortschaften deutlich schlechter versorgt sein als der Durchschnitt, der Versorgungsgrad bildet diese Unterschiede nicht ab.
Beim Vergleich zweier Standorte ist deshalb zuerst zu prüfen, ob beide dem gleichen Planungsbereich angehören. Erst dann sind die Prozentwerte direkt vergleichbar.
Worauf sollten Sie bei der Wohnortwahl achten?
Die Hausarztdichte eines Kreises sagt wenig über die Versorgung in einer bestimmten Gemeinde. Wie die Kreisspanne oben zeigt, streuen die Werte stark. Vor einem Umzug sollten Sie deshalb die Praxen vor Ort prüfen.
Aufnahmestopp für neue Patienten
Fragen Sie die Hausarztpraxen in Ihrem Wunschort direkt, ob sie neue Patienten aufnehmen. Ein Aufnahmestopp betrifft einzelne Praxen, nicht automatisch den ganzen Kreis. Notieren Sie für jede angefragte Praxis das Datum der Auskunft, damit Sie den Stand später vergleichen können.
Altersstruktur und ungeklärte Praxisnachfolge
Erkundigen Sie sich, wie alt die niedergelassenen Hausärzte sind und ob eine Praxisnachfolge geregelt ist. Ohne Nachfolgeregelung ist unklar, wie lange eine Praxis weiterbesteht. Wenn mehrere Praxen in einer Gemeinde gleichzeitig nach einem Nachfolger suchen, kann die Versorgung in den nächsten Jahren enger werden. Fragen Sie nach, ob ein Verkauf oder eine Übergabe bereits angestoßen ist.
Wartezeiten und Terminvergabe vor Ort
Die Wartezeit auf einen Termin für Neupatienten erfahren Sie nur bei der Praxis selbst. Kreisstatistiken liefern diesen Wert nicht. Fragen Sie außerdem, ob Termine telefonisch, online oder nur vor Ort vergeben werden und ob es feste Sprechzeiten für neue Patienten gibt.
Wo finden Sie aktuelle Daten zu Ihrem Kreis?
Arztzahlen für einzelne Kreise stammen aus dem KBV-Bundesarztregister. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) führt dieses Register. Die Hausarztdichte auf Kreisebene, die in der Fachpresse veröffentlicht wurde, beruht auf diesen Daten. Wer Kreise vergleichen will, sollte deshalb möglichst die Originalquelle heranziehen und nicht nur zusammengefasste Ranglisten.
Für die Einwohnerzahlen je Kreis sind die Statistischen Landesämter zuständig. Sie veröffentlichen die Bevölkerungszahlen für die Landkreise und kreisfreien Städte ihres Bundeslands. Die Einwohnerzahl ist der Nenner jeder Dichteberechnung. Ohne sie lässt sich aus einer Arztzahl keine Versorgungsdichte bilden.
Zwischen Arztzahl und Kreisgrenze vermittelt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des jeweiligen Bundeslands. Sie ordnet Ärzte Planungsbereichen zu, die nicht in jedem Fall exakt mit einem Landkreis übereinstimmen. Prüfen Sie bei Planungsbereichsdaten deshalb, ob die Abgrenzung dem Kreis entspricht, den Sie betrachten.
Vorgehen in drei Schritten:
- Den amtlichen Kreisschlüssel Ihres Wohnorts ermitteln.
- Die Hausarztzahl des Kreises im KBV-Bundesarztregister bzw. über die zuständige KV abfragen.
- Die Einwohnerzahl desselben Kreises beim zuständigen Statistischen Landesamt abrufen.
| Quelle | Liefert | Verwendung im Vergleich |
|---|---|---|
| KBV-Bundesarztregister | Arztzahlen, u. a. Hausärzte je Kreis | Zähler der Hausarztdichte |
| Kassenärztliche Vereinigung (je Bundesland) | Planungsbereichsdaten | Abgleich der Gebietsabgrenzung |
| Statistisches Landesamt (je Bundesland) | Einwohnerzahlen je Kreis | Nenner der Hausarztdichte |
Häufig gestellte Fragen
Worin unterscheiden sich Hausarztdichte und Gesamtarztdichte?
Die Hausarztdichte zählt nur Allgemeinmediziner, praktische Ärzte und hausärztlich tätige Internisten, während die Gesamtarztdichte auch Fachärzte und Psychotherapeuten einschließt. Die Spitzenwerte Freiburg im Breisgau (395,3) und Landkreis Coburg (84,3) stammen deshalb aus der Gesamtarztdichte und lassen sich nicht mit Hausarzt-Werten gleichsetzen.
Welche Bundesländer haben die meisten und die wenigsten Hausärzte je 100.000 Einwohner?
Am Stichtag 31.12.2018 lagen Hamburg (74,1), Mecklenburg-Vorpommern (72,9) und Berlin (72,2) vorn. Am unteren Ende stehen Westfalen-Lippe (59,9), Hessen (64,9) und Sachsen-Anhalt (65,2).
Wie stark unterscheiden sich Stadt und Land bei der Erreichbarkeit?
In dünn besiedelten Kreisen beträgt die durchschnittliche Fahrzeit zur nächsten Gesundheits- oder Pflegeeinrichtung 10,1 Minuten, also rund doppelt so viel wie in Großstädten. Dieser Wert betrifft nicht nur Hausarztpraxen, und für Großstädte liegt keine vergleichbare Zahl vor.