Bundesweit wohnen laut einer BBSR-Analyse etwa 75 Prozent der Bevölkerung höchstens 1.000 Meter von einem Supermarkt entfernt. Bei Apotheken liegt die Quote bei 67 Prozent. Damit haben rechnerisch etwa ein Viertel der Menschen keinen Supermarkt in diesem Radius, rund ein Drittel keine Apotheke.
Wie dicht ist die Nahversorgung in Deutschland?
Die Versorgungsquote gibt an, welcher Anteil der Bevölkerung innerhalb eines festgelegten Radius einen Betrieb erreicht. Im Fall der Analyse beträgt der Radius 1.000 Meter. Die Quote misst also die Entfernung, nicht die Fahrzeit, und sie sagt nichts über Öffnungszeiten oder Angebot aus.
| Versorgungsart | Anteil im 1.000-m-Radius | Außerhalb des Radius (rechnerisch) |
|---|---|---|
| Supermarkt | 75 % | 25 % |
| Apotheke | 67 % | 33 % |
Die beiden Werte liegen acht Prozentpunkte auseinander. Supermärkte sind demnach flächendeckender verteilt als Apotheken. Die Lücke bei Apotheken ist mit 33 Prozent größer als bei Supermärkten mit 25 Prozent.
Was der Abstand bedeutet
- Supermärkte sind für die meisten Haushalte ohne Umweg im Alltag erreichbar, ein Viertel der Bevölkerung liegt jedoch außerhalb des Radius.
- Apotheken erreicht ein Drittel der Bevölkerung nicht innerhalb von 1.000 Metern, was vor allem bei täglichem Medikamentenbedarf ins Gewicht fällt.
- Die Quoten sind bundesweite Durchschnittswerte. Für einen einzelnen Stadtteil oder Ort können sie deutlich abweichen.
So prüfen Sie die Quote für Ihren Wohnort
- Adresse in einen Kartendienst eingeben und einen Kreis mit 1.000 Metern Radius um den Standort legen.
- Alle Supermärkte und Apotheken innerhalb des Kreises zählen.
- Stehen dort mehrere Betriebe, ist die Nahversorgung im Radius gut abgedeckt. Stehen dort keine Betriebe, liegt der Wohnort außerhalb des 1.000-Meter-Radius dieser Versorgungsart. Das ist ein Hinweis auf eine größere Entfernung, aber keine Bewertung der Gesamtversorgung.
Quelle: zm-online, Meldung zu einer BBSR-Analyse, 4. März 2025.

Supermärkte und Drogerien pro Stadtteil: Welche Daten gibt es?
Auf Stadtteilebene sind die vorliegenden Zahlen dünn. Die verfügbaren Angaben stammen aus drei Quellentypen, die sich in Auflösung und Aktualität deutlich unterscheiden.
| Quelle | Räumliche Ebene | Zeitbezug |
|---|---|---|
| BBSR-Analyse (Meldung von zm-online) | Bundesweit, Großstädte, ost- und westdeutsche Landgemeinden | Meldung vom 2025-03-04 |
| Vortrag Büro Acocella (Schwäbische Zeitung) | Verbandsgebiet Bodensee-Oberschwaben | Bericht vom 2016-04-14; Ausgangswert Lebensmittelbetriebe 2008, Zeitraum der Drogeriemarkt-Zahlen nicht angegeben |
Die BBSR-Werte liegen nur als Durchschnitte für Bund und Gemeindetypen vor. Ein Stadtteilwert ist daraus nicht ableitbar. Die Acocella-Angaben beziehen sich auf einen Regionalverband und nennen Anzahlen für Drogeriemärkte und Lebensmittelbetriebe, ebenfalls ohne Aufschlüsselung nach Stadtteilen.
Für eine Auswertung auf Stadtteilebene kommen drei Quellen in Betracht:
- Händler- und Filialverzeichnisse mit Koordinaten: Filialfinder der Ketten liefern Standorte mit Adresse oder Geokoordinaten. Die Vollständigkeit und der Aktualisierungsstand variieren je nach Anbieter und sind vor der Nutzung zu prüfen. Aus den Koordinaten lassen sich Anzahl pro Stadtteil über eine Zuordnung zu Stadtteilgrenzen ermitteln.
- Amtliche Statistik nach Stadtteil oder Baublock: Die Statistikstellen der Kommunen führen teils Daten auf Stadtteil- oder Baublockebene. Ob Handelsstandorte dort erfasst sind, muss bei der jeweiligen Stelle erfragt werden.
- Regionale Quellen: Verbandsvorträge und Gutachten sind oft die einzigen Angaben für Umlandgebiete. Sie sind meist punktuell und nicht laufend aktualisiert.
Wie weit ist es bis zum nächsten Supermarkt?
Die Antwort auf „wie weit“ hängt stark von der Messmethode ab. Wer Entfernungen zu Supermärkten, Drogerien oder Apotheken zwischen Stadtteilen vergleicht, sollte vorab klären, ob die Strecke als Luftlinie oder als Fußweg gemessen wurde und auf welcher räumlichen Ebene das Ergebnis berechnet wurde.
Luftlinie oder Fußweg als Messgrundlage
Die Luftlinie ist der direkte Abstand zwischen Wohnort und Geschäft. Flüsse, Bahnlinien, Hauptstraßen und Umwege bleiben unberücksichtigt. Der Fußweg folgt dem tatsächlichen Wegenetz und bildet damit besser ab, wie man im Alltag hinkommt.
| Kriterium | Luftlinie | Fußweg (Wegenetz) |
|---|---|---|
| Berechnung | Direkter Abstand zwischen zwei Punkten | Kürzeste Strecke entlang begehbarer Wege |
| Aussagekraft für den Alltag | Eingeschränkt, da Hindernisse fehlen | Höher, da Umwege und Querungen einfließen |
| Typischer Einsatz | Schnelle Vorauswahl mehrerer Standorte | Detailprüfung eines konkreten Wohnorts |
Rasterzellen statt Gemeindedurchschnitt
Ein Mittelwert für eine ganze Gemeinde verdeckt Unterschiede innerhalb des Gebiets. Ein dicht bebauter Ortsteil und ein weitläufiger Außenbezirk können denselben Durchschnittswert ergeben, obwohl ihre Versorgungslage sehr verschieden ist. Rasterzellen teilen das Gebiet in gleich große Felder und weisen jedem Feld einen eigenen Wert zu. So werden Versorgungslücken sichtbar, die im Gemeindemittel verschwinden.
Verzerrung durch dünn besiedelte Randbereiche
Die Gewichtung entscheidet, wie stark Randlagen in einen Wert eingehen. Wird nach Fläche gerechnet, prägen dünn besiedelte Außengebiete das Ergebnis, obwohl dort nur wenige Menschen wohnen. Wird nach Einwohnern gewichtet, verschwinden dieselben Gebiete fast vollständig, obwohl dort die längsten Wege liegen. Beide Varianten verzerren das Bild in entgegengesetzte Richtung.
Großstadt, Umland und Land im Vergleich
Die Entfernung zur nächsten Apotheke und zum nächsten Supermarkt hängt stark vom Gemeindetyp ab. In Großstädten liegt die nächste Apotheke im Schnitt bei etwa 500 Metern. In ostdeutschen Landgemeinden sind es mehr als 4 Kilometer, also mehr als das Achtfache.
| Gebiet | Geschäft | Entfernung im Schnitt |
|---|---|---|
| Großstädte | Apotheke | etwa 500 m |
| Ostdeutsche Landgemeinden | Apotheke | mehr als 4 km |
| Ostdeutsche Landgemeinden | Supermarkt | knapp 3.000 m |
| Westdeutsche Landgemeinden | Supermarkt | etwa 2.000 m |
Ost-West-Unterschied: Beim Supermarkt auf dem Land liegt der Wert im Osten rund 1.000 Meter über dem im Westen. Für Apotheken auf dem Land im Westen enthält die Datengrundlage keinen Vergleichswert, deshalb lässt sich das Ost-West-Verhältnis bei Apotheken nicht beziffern.
Für einen eigenen Vergleich von Wohnorten empfiehlt sich, zuerst den Gemeindetyp festzulegen und den passenden Durchschnitt als Maßstab zu nehmen.

Warum verschwinden Drogeriemärkte aus kleinen Orten?
Die vorliegenden Zahlen belegen den Rückgang der Filialzahl, nicht seine Ursache. Für das Verbandsgebiet Bodensee-Oberschwaben meldete die Schwäbische Zeitung am 14. April 2016 einen starken Rückgang bei den Drogeriemärkten, von 119 auf 36 Standorte. Die Angaben stammen aus einem Vortrag des Büros Acocella vor dem Regionalverband. Der Zeitraum dieses Rückgangs ist in der Quelle nicht angegeben.
| Kategorie | Zeitraum laut Quelle | Entwicklung |
|---|---|---|
| Drogeriemärkte | nicht angegeben | 119 auf 36 |
| Lebensmittelbetriebe | Ausgangswert 2008, Endjahr nicht angegeben | 285 (2008) auf 299 |
Die Drogeriemärkte verloren damit 83 Standorte. Bei den Lebensmittelbetrieben ist nur der Ausgangswert von 285 im Jahr 2008 belegt. Der Wert 299 ist ohne Jahresangabe überliefert, daher lässt sich der Zuwachs von 14 Betrieben keinem Zeitraum zuordnen. Beide Werte sind reine Filialzählungen. Sie geben keine Auskunft über Umsatz, Verkaufsfläche oder die Gründe einzelner Schließungen.
Wirtschaftliche Motive lassen sich aus solchen Zahlen nur als Hypothese ableiten. Eine Kette schließt Filialen typischerweise dort, wo der Standort die nötige Kundenzahl nicht mehr erreicht. Ob das im Bodensee-Raum der Fall war, ist den Zahlen nicht zu entnehmen.
Für eigene Recherchen empfiehlt sich dieses Vorgehen:
- Filialverzeichnisse der Ketten nach Gemeinden auflisten und mit einem früheren Stand vergleichen.
- Die Standorte nach Einwohnerzahl der Gemeinde sortieren, um zu prüfen, ob Schließungen eher kleine Orte betreffen.
- Gegenüberstellen, ob in denselben Gemeinden Lebensmittelbetriebe nachrücken oder die Versorgung insgesamt sinkt.
Wie vergleiche ich Stadtteile selbst?
Stadtteile lassen sich nur über eine Kennzahl je Einwohner vergleichen, nicht über absolute Anzahlen. Ein Stadtteil mit 40 Märkten ist nicht automatisch dichter versorgt als einer mit 10, wenn er auch deutlich mehr Einwohner hat. Die Kennzahl lautet: Anzahl der Märkte geteilt durch Einwohnerzahl, mal 10.000. Das Ergebnis gibt die Märkte je 10.000 Einwohner an und ist für alle Stadtteile direkt vergleichbar.
Vorgehen in sechs Schritten:
- Gebietsabgrenzung festlegen. Alle Stadtteile nach derselben Abgrenzung auswählen. Stammen Märkte- und Einwohnerdaten aus Quellen mit unterschiedlichen Grenzen, wird ein Markt am Rand schnell dem falschen Stadtteil zugeordnet.
- Einheitlichen Stichtag wählen. Marktverzeichnis und Einwohnerzahlen müssen vom selben Zeitpunkt stammen. Bei Vergleichen über mehrere Jahre verändern Schließungen und Neueröffnungen die Zahlen.
- Märkte und Einwohner erfassen. Märkte aus einem Verzeichnis zählen, Einwohnerzahlen aus der Statistik des gewählten Stichtags übernehmen.
- Kennzahl je Stadtteil berechnen. Für jeden Stadtteil die Märkte je 10.000 Einwohner ermitteln.
- Stadtdurchschnitt bilden. Dieselbe Rechnung für die gesamte Stadt durchführen. Den Mittelwert der Stadtteilwerte nicht einfach übernehmen, denn er gewichtet kleine Stadtteile genauso stark wie große.
- Abweichung in Prozent ermitteln. Der Stadtteilwert minus Stadtdurchschnitt, geteilt durch den Stadtdurchschnitt, mal 100. Ein positiver Wert bedeutet überdurchschnittliche Dichte, ein negativer unterdurchschnittliche.
| Kennzahl | Berechnung | Aussage |
|---|---|---|
| Märkte je 10.000 Einwohner | Märkte ÷ Einwohner × 10.000 | Versorgungsdichte unabhängig von der Größe |
| Stadtdurchschnitt | Gesamtzahl Märkte ÷ Gesamteinwohner × 10.000 | Bezugswert der Stadt |
| Abweichung in Prozent | (Stadtteilwert minus Stadtdurchschnitt) ÷ Stadtdurchschnitt × 100 | Über- oder Unterversorgung gegenüber dem Schnitt |
Was sagen Zahlen zur Nahversorgung über die Wohnqualität?
Die Entfernung zum nächsten Geschäft ist ein messbares Kriterium bei der Wohnortwahl, beschreibt aber nur einen Teil der Lebensqualität.
Die Entfernung hängt stark vom Gebietstyp ab:
- Großstädte: Die nächste Apotheke ist im Schnitt etwa 500 m entfernt.
- Ostdeutsche Landgemeinden: Die nächste Apotheke ist im Schnitt mehr als 4 km entfernt, der nächste Supermarkt knapp 3.000 m.
- Westdeutsche Landgemeinden: Der nächste Supermarkt ist im Schnitt etwa 2.000 m entfernt.
Beim Vergleich von Stadtteilen sollten Sie deshalb nur Lagen mit ähnlichem Gebietstyp direkt gegenüberstellen.
Die Kaufpreise aus amtlichen Immobilienpreisdaten für Deutschland lassen sich mit diesem Kriterium kombinieren. Das französische DVF gilt hier nicht. Sinnvoll ist, Quadratmeterpreise innerhalb gleicher Versorgungsstufen zu vergleichen. So erkennen Sie, ob eine höhere Miete oder ein höherer Kaufpreis tatsächlich mit besserer Nahversorgung einhergeht oder ob andere Faktoren den Preis bestimmen.
Die Zahl der Geschäfte eines Typs sagt wenig über die Versorgung insgesamt.
Die Aussagekraft endet dort, wo die Nahversorgung nichts misst. Lärm-, Grün- und Sicherheitsdaten sind in dieser Auswertung nicht enthalten. Ein kurzer Weg zum Supermarkt belegt weder eine ruhige Lage noch einen hohen Grünflächenanteil. Diese Merkmale müssen Sie separat aus eigenen Quellen erfassen und getrennt bewerten.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Anteil der Bevölkerung hat bundesweit einen Supermarkt in der Nähe?
Laut der genannten Analyse wohnen im Bundesschnitt rund 75 Prozent der Menschen höchstens 1.000 Meter von einem Supermarkt entfernt. Bei Apotheken liegt dieser Wert bei etwa 67 Prozent.
Warum lassen sich diese Quoten nicht einfach auf meinen Stadtteil übertragen?
Die Werte sind Bevölkerungsanteile im gesamten Bundesgebiet und keine Schwellenwerte für einzelne Orte. Die Entfernungen unterscheiden sich stark nach Gebietstyp: In Großstädten liegt die nächste Apotheke im Schnitt bei rund 500 Metern, in ostdeutschen Landgemeinden bei mehr als 4 Kilometern.
Gibt es belastbare Zahlen zur Entwicklung von Drogeriemärkten?
Nur eine regionale Angabe aus dem Verbandsgebiet Bodensee-Oberschwaben: Die Zahl der Drogeriemärkte sank dort von 119 auf 36, ein Zeitraum wird jedoch nicht genannt. Für Lebensmittelbetriebe ist lediglich der Ausgangswert von 285 im Jahr 2008 belegt, das Vergleichsjahr fehlt.