Was misst die Polizeiliche Kriminalstatistik wirklich?

Erfasst: bekannt gewordene Straftaten

Die PKS zählt bekannt gewordene Straftaten. Dazu gehören auch strafbare Versuche, also Taten, bei denen die Handlung begonnen, der Erfolg aber nicht eingetreten ist. Hinzu kommen die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen und weitere Angaben zu Fällen, Opfern und Tatverdächtigen. Laut Bundeskriminalamt (BKA) (2026) gilt damit: Eine Tat, die nicht angezeigt oder von der Polizei nicht festgestellt wird, taucht in der Statistik nicht auf.

KategorieIn der PKS enthalten
Bekannt gewordene rechtswidrige Straftatenja
Strafbare Versucheja
Ermittelte Tatverdächtigeja
Staatsschutzdeliktenein
Verkehrsdeliktenein
Ordnungswidrigkeitennein
Straftaten, die direkt bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werdennein
Fälle mit im Ausland handelnden Tatverdächtigen und inländischem Erfolgsortseparat als PKS-Ausland geführt, nicht in den Hauptzahlen

Ausgeschlossen: Staatsschutz, Verkehr und Ordnungswidrigkeiten

Staatsschutzdelikte, Verkehrsdelikte und Ordnungswidrigkeiten fehlen vollständig in der PKS. Bei einem Vergleich zwischen Stadtteilen oder Städten bedeutet das: Ein Ort mit vielen Verkehrsverstößen oder Ordnungswidrigkeiten erscheint in der PKS nicht stärker belastet. Auch Straftaten, die direkt bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden, sind nicht enthalten. Wer die Gesamtlage eines Ortes beurteilen will, sieht in der PKS daher nur einen Teilausschnitt.

PKS-Ausland: separat geführt

Seit 2024 werden Fälle mit im Ausland handelnden Tatverdächtigen und inländischem Erfolgsort als PKS-Ausland getrennt geführt. Sie sind nicht in den sonst veröffentlichten PKS-Zahlen enthalten. Beim Vergleich von Gesamtzahlen eines Ortes muss daher klar sein, welche Zahlenreihe gemeint ist.

Was die PKS nicht abbildet

  • Nicht angezeigte Taten: Die PKS erfasst nur Taten, die der Polizei bekannt werden. Die tatsächliche Zahl begangener Taten kann höher liegen.
  • Ausgeschlossene Deliktgruppen: Staatsschutz-, Verkehrsdelikte und Ordnungswidrigkeiten gehen nicht in die Zählung ein.
  • Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft: Sie laufen an der PKS vorbei.
  • Ausland-Fälle mit Inlandserfolg: Sie stehen seit 2024 in einer eigenen Auswertung.

Was misst die Polizeiliche Kriminalstatistik wirklich?

Gibt es eine PKS auf Stadtteilebene?

Nein. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) wird vom Bundeskriminalamt (BKA) auf Grundlage der Daten der 16 Landeskriminalämter erstellt. Seit 2021 stellt das BKA Deliktsinformationen nur auf Bundesebene bereit. Stadtteilwerte enthält diese Veröffentlichung nicht. Wer Stadtteile vergleichen will, muss daher mit einer Lücke in der räumlichen Auflösung rechnen.

Die räumliche Ebene der veröffentlichten Daten hat sich außerdem verändert:

ZeitraumVeröffentlichte EbeneHinweis
Berichtsjahre 2015 bis 2020Länderspezifische PDFsRegionale Auswertung auf Landesebene möglich
Seit 2021Deliktsinformationen nur auf BundesebeneKeine länderspezifischen Deliktsangaben mehr in dieser Form

Für Vergleiche innerhalb einer Stadt oder zwischen Stadtteilen bedeutet das: Die Bundeszahlen sagen über ein einzelnes Viertel nichts aus. Selbst die Länderebene, die bis 2020 verfügbar war, liefert keine Stadtteilwerte.

Praktisch heißt das: Vor einem Stadtteilvergleich sollte geprüft werden, welche Stelle die lokalen Fallzahlen liefert und ob diese dieselbe Definition von Straftaten verwendet wie die PKS. Erst danach lässt sich entscheiden, ob Zahlen aus verschiedenen Quellen überhaupt vergleichbar sind.

Wo finde ich Kriminalitätszahlen für meinen Stadtteil?

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist die Ausgangsquelle für amtliche Fallzahlen. Die PKS 2025 ist beim BKA veröffentlicht, mit Tabellen und Auswertungen zu ausgewählten Delikten. Der erste Schritt ist daher, diese Tabellen direkt beim BKA abzurufen und keine Werte aus Drittseiten zu übernehmen.

Ausgangsquelle: BKA-Tabellen der PKS 2025

Die Bundestabellen bilden die Grundlage jeder Auswertung. Wer etwa Verkehrsdelikte oder Staatsschutzdelikte im Umfeld betrachten will, braucht eine andere Quelle.

Regionale Auswertungen über Landespolizeiliche Portale

Landespolizeiliche Portale könnten eigene regionale Auswertungen enthalten. Das Faktenblatt belegt jedoch weder deren Umfang noch ob sie Stadtteilebene erreichen. Prüfen Sie diese Punkte direkt auf der Website der jeweiligen Landespolizei, bevor Sie sich darauf stützen.

Zeitreihen ab 1987 für Langfristvergleiche

Die Zeitreihen reichen laut BKA bis 1987 zurück. Berichte der PKS gibt es sogar bis 1953 (Bundeskriminalamt (BKA), 2026). Für Langfristvergleiche eignet sich damit die Zeitreihe, nicht eine einzelne Jahrestabelle. Achten Sie in jeder Tabelle auf das Berichtsjahr und auf den Geltungsbereich, damit Sie Werte aus verschiedenen Jahren nicht ungeprüft gegenüberstellen.

QuelleInhalt laut FaktenblattEinsatz für Stadtteilvergleiche
BKA-Tabellen PKS 2025Bekannt gewordene Straftaten, Tatverdächtige, Fälle, Opfer; Auswertungen zu ausgewählten DeliktenAktuelle Bundeszahlen als Referenz
Landespolizeiliche PortaleRegionale Auswertungen; Umfang laut Faktenblatt nicht belegtPrüfen, ob regionale Werte verfügbar sind
Zeitreihen des BKAZurück bis 1987Langfristige Entwicklung über Jahre

Warum sind Stadtteile schwer vergleichbar?

Die Grundlage selbst macht einen direkten Vergleich einzelner Stadtteile anspruchsvoll. Drei Faktoren wirken dabei zusammen:

  • Unterschiedliche Einwohnerzahlen und Altersstrukturen: Ein Stadtteil mit vielen Einwohnern hat mehr potenzielle Tatorte und Betroffene als ein kleiner. Auch die Altersverteilung unterscheidet sich je Stadtteil, und Delikte sind nicht über alle Altersgruppen gleich verteilt. Absolute Fallzahlen allein sagen deshalb wenig über das Risiko einzelner Bewohner aus.
  • Tagesbevölkerung: Wohnbevölkerung und Anwesenheit im Stadtteil sind nicht dasselbe. Pendler, Einkaufs- und Ausgehverkehr verschieben die tatsächlich anwesenden Menschen über den Tag und in den Abend. Ein Geschäfts- oder Ausgehviertel verzeichnet Fälle, obwohl dort vergleichsweise wenige Menschen wohnen.
  • Anzeigeverhalten und Dunkelfeld: Ob eine Tat angezeigt wird, hängt von Vertrauen in die Polizei, Schadenshöhe und Bewusstsein über Ansprechstellen ab. Das Dunkelfeld, also nicht gemeldete Taten, kann zwischen Stadtteilen unterschiedlich groß sein. Ein Stadtteil mit höherer Anzeigebereitschaft kann dadurch in der PKS auffälliger wirken als ein vergleichbarer mit niedriger.

Für den Vergleich folgt daraus: Stadtteil-Werte sind nur bedingt vergleichbar, wenn Bevölkerung, Anwesenheit und Meldeverhalten nicht berücksichtigt werden.

Warum sind Stadtteile schwer vergleichbar?

Häufigkeitszahl: Wie rechnet man fair?

Die Häufigkeitszahl setzt die erfassten Straftaten eines Stadtteils ins Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl. Die Formel lautet: Fälle geteilt durch Einwohner, mal 100.000. Das Ergebnis zeigt, wie viele Fälle rechnerisch auf 100.000 Einwohner entfallen. Erst dieser Schritt macht Stadtteile unterschiedlicher Größe vergleichbar, denn absolute Fallzahlen steigen schon mit der Zahl der Menschen, unabhängig von der tatsächlichen Sicherheitslage.

Die Bezugsgröße richtig wählen

Als Nenner dient die amtliche Wohnbevölkerung des Stadtteils. Entscheidend ist, dass alle verglichenen Stadtteile auf derselben Datengrundlage beruhen: gleicher Stichtag, gleiche Gebietsabgrenzung und gleicher Berichtszeitraum für die Fallzahlen. Werte aus unterschiedlichen Jahren oder mit abweichend abgegrenzten Gebieten ergeben keinen fairen Vergleich.

SchrittVorgehenPrüfpunkt
1Erfasste Fälle je Stadtteil für denselben Berichtszeitraum übernehmenZeitraum gilt für alle Stadtteile gleich
2Wohnbevölkerung des Stadtteils zum passenden Stichtag ermittelnGebietsabgrenzung stimmt mit den Fallzahlen überein
3Fälle durch Einwohner teilen und mit 100.000 multiplizierenAlle Werte auf gleiche Nachkommastellen runden
4Ergebnisse nebeneinanderstellenNur Stadtteile mit identischer Methodik vergleichen

Schwankungen bei kleinen Fallzahlen einordnen

Bei wenigen Fällen verschiebt ein einzelner zusätzlicher Vorfall die Häufigkeitszahl deutlich. Ein kleiner Stadtteil kann deshalb in einem Jahr auffällig hoch und im nächsten unauffällig wirken, ohne dass sich seine Lage grundlegend verändert hat. Bevor man eine Häufigkeitszahl interpretiert, sollte man die absolute Fallzahl prüfen. Belastbarer wird das Bild, wenn man Zeitreihen über mehrere Jahre heranzieht.

Was die Zahl nicht abbildet

Die Häufigkeitszahl rechnet nur bekannt gewordene Fälle auf die Einwohner um. Das Dunkelfeld bleibt auch hier unberücksichtigt.

Ist ein Stadtteil mit vielen Taten gefährlicher?

Eine hohe Fallzahl allein sagt wenig über das Risiko in einem Stadtteil. Ein Stadtteil mit vielen Taten kann viele leichte Delikte verzeichnen oder auch viele schwere Delikte. Die Gesamtzahl unterscheidet beides nicht. Drei Prüfungen klären, ob eine Summe tatsächlich auf höhere Gefahr hinweist.

Deliktstruktur vor Gesamtzahl

Die Gesamtzahl setzt sich aus vielen Deliktarten zusammen. Entscheidend ist, welche Arten sie tragen. Ob ein Delikt die Summe dominiert, zeigt nur die Aufschlüsselung nach Deliktart. Vergleichen Sie Stadtteile deshalb immer Delikt für Delikt, sonst werden leichte und schwere Fälle in einer Zahl vermischt.

Für Stadtteil-Vergleiche braucht es Daten, die über die bundesweiten PKS-Tabellen hinausgehen. Ob die örtliche Polizei oder die Kommune solche Zahlen mit Deliktaufschlüsselung bereitstellt, muss vor Ort geprüft werden.

Sicherheitsgefühl und Statistik trennen

Die PKS bildet bekannt gewordene Fälle ab, kein subjektives Sicherheitsgefühl. Wer das Gefühl in einem Viertel bewerten will, muss wissen, welche Vorfälle im Zahlenwerk fehlen.

Ein Eindruck aus Nachbarschaft oder Medien ersetzt keine Zahl. Eine niedrige Fallzahl belegt umgekehrt nicht, dass ein Viertel tatsächlich sicher ist, da nicht angezeigte Taten fehlen. Im Vergleich sollten Sie Statistik als Messwert und Gefühl als eigene Beobachtung getrennt ausweisen.

Trend über mehrere Berichtsjahre

Ein einzelnes Berichtsjahr zeigt nur eine Momentaufnahme. Aussagekräftiger ist die Entwicklung über mehrere Jahre, sofern Delikt und Abgrenzung gleich bleiben.

Kriminalität als einer von vielen Standortfaktoren

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist eine Kennzahl unter mehreren. Für eine Standortentscheidung reicht dieser Wert allein nicht aus, weil Kosten, Bildung und Erreichbarkeit den Alltag ebenso bestimmen.

Die Vergleichsgrößen im Überblick:

FaktorWas verglichen wirdRelevant für
ImmobilienpreiseKaufpreis oder Miete je Quadratmeter im Quartier, möglichst aus öffentlich zugänglichen Daten wie Bodenrichtwerten oder MietspiegelnBudget, Kauf oder Miete
SchulenErreichbarkeit von Grund- und weiterführenden Schulen, Länge des SchulwegsFamilien mit Schulkindern
ÖPNV-AnbindungHaltestellendichte, Takt, Fahrzeit zur Arbeitsstelle oder InnenstadtHaushalte ohne Auto

Gewichtung nach Lebenslage: Die Faktoren wirken je nach Situation unterschiedlich stark. Wer kein Auto besitzt, bewertet die ÖPNV-Anbindung höher. Familien achten auf Schulwege, Käufer auf das Preisniveau. Vor dem Vergleich lohnt es sich deshalb, jedem Faktor ein Gewicht zuzuweisen, etwa hoch, mittel oder niedrig, und erst danach die Quartiere gegenüberzustellen.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich die PKS-Zahlen einzelner Stadtteile direkt vergleichen ?

Das BKA stellt Deliktsinformationen seit 2021 nur noch auf Bundesebene bereit, länderspezifische PDFs gab es nur für die Berichtsjahre 2015 bis 2020. Eine Stadtteilauswertung ist daher nicht in den veröffentlichten Tabellen des BKA enthalten, auch wenn das nicht ausschließt, dass sie anderswo existiert.

Fehlen Anzeigen, die ich direkt bei der Staatsanwaltschaft erstatte, in der Statistik ?

Ja, Straftaten, die direkt bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden, sind in der PKS nicht erfasst. Ein Vergleich zweier Orte zeigt deshalb nur die Fälle, die über die Polizei laufen.

Wie wirkt sich die PKS-Ausland-Zählung auf meinen Vergleich zweier Städte aus ?

Fälle mit im Ausland handelnden Tatverdächtigen und inländischem Erfolgsort führt das BKA seit 2024 als PKS-Ausland getrennt und nicht in den Hauptzahlen. Beim Vergleich muss für beide Orte dieselbe Zahlenreihe gelten, sonst sind die Werte nicht vergleichbar.