Die Betreuungsquote misst den Anteil der Kinder einer Altersgruppe, die tatsächlich eine Kindertagesbetreuung besuchen. Die Versorgungsquote misst den Anteil der vorhandenen Plätze an derselben Altersgruppe. Beide Werte haben als Bezugsgröße die Kinder gleichen Alters in der Bevölkerung, messen aber unterschiedliche Dinge. Deshalb dürfen sie beim Vergleich von Stadtbezirken nicht gleichgesetzt werden.
Betreuungsquote oder Versorgungsquote?
Zähler: betreute Kinder oder vorhandene Plätze
Der Zähler bestimmt, was gemessen wird. Bei der Betreuungsquote zählen die betreuten Kinder, also Kinder, die eine Einrichtung tatsächlich besuchen. Bei der Versorgungsquote zählen die vorhandenen Plätze. Ein Platz wird dabei unabhängig davon gezählt, ob er belegt ist.
Nenner: Kinder gleichen Alters
Der Nenner ist in beiden Fällen die Zahl der Kinder gleichen Alters in der Bevölkerung. Er beschreibt den Bedarf, unabhängig davon, ob ein Kind betreut wird. Damit beide Quoten vergleichbar sind, muss die Altersabgrenzung im Zähler und im Nenner identisch sein.
| Merkmal | Betreuungsquote | Versorgungsquote |
|---|---|---|
| Zähler | betreute Kinder | vorhandene Plätze |
| Nenner | Kinder gleichen Alters in der Bevölkerung | Kinder gleichen Alters in der Bevölkerung |
| Gemessen wird | tatsächliche Inanspruchnahme | rechnerisches Angebot |
Methodische Folgen für den Vergleich zwischen Bezirken
Die Quoten verhalten sich unterschiedlich, wenn Bezirke miteinander verglichen werden. Die Statistik zählt Kinder am Ort der Einrichtung und nicht nach Wohnort. Ein Bezirk mit vielen Einrichtungen, die auch Kinder aus anderen Bezirken aufnehmen, bekommt dadurch andere Zählwerte als ein Bezirk, dessen Einrichtungen überwiegend von eigenen Bewohnern besucht werden. Beim Vergleich sollte daher immer geprüft werden, welcher Zähler zugrunde liegt.

Wie hoch ist die Betreuungsquote in Deutschland?
Bundesweit lag die Bundesquote der Kinderbetreuung zum Stichtag 01.03.2023 bei 36,4 % für unter Dreijährige und bei 90,9 % für drei- bis fünfjährige Kinder. Diese Werte bilden den Referenzrahmen, an dem sich jede lokale Auswertung messen lässt.
| Altersgruppe | Betreuungsquote (bundesweit) | Ganztagsanteil (bundesweit) |
|---|---|---|
| Unter 3-Jährige | 36,4 % | 19,7 % |
| 3- bis 5-Jährige | 90,9 % | 47,0 % |
Die Quellen sind die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Datenstand 01.03.2023.
Für den Vergleich von Stadtbezirken ergeben sich daraus drei Prüfschritte:
- Altersgruppe trennen: Die Quote für unter Dreijährige liegt bundesweit 54,5 Prozentpunkte unter der für Drei- bis Fünfjährige. Ein Stadtbezirk mit hoher Gesamtquote kann bei den Kleinkindern trotzdem deutlich unter dem Bundeswert liegen. Beide Altersgruppen sollten deshalb getrennt bewertet werden.
- Ganztag gesondert betrachten: Der Ganztagsanteil fällt in beiden Gruppen deutlich niedriger aus als die Gesamtquote. Wer nach einem Betreuungsangebot mit langen Öffnungszeiten sucht, sollte den Ganztagsanteil eigens prüfen und nicht aus der Gesamtquote ableiten. Bundesweit liegt er bei 19,7 % (unter 3-Jährige) bzw. 47,0 % (3- bis 5-Jährige). Lokale Werte liefern Landesämter oder Kommunen.
- Gleichen Stichtag verwenden: Alle verglichenen Werte müssen auf denselben Stichtag bezogen sein, möglichst den aktuellsten verfügbaren. Die hier genannten Bundeswerte gelten für den 01.03.2023. Für einen Vergleich mit lokalen Daten muss der Stichtag der lokalen Daten übereinstimmen. Andernfalls entstehen Scheinunterschiede, die auf unterschiedliche Erhebungszeitpunkte zurückgehen.
Liegt ein Stadtbezirk über den Bundeswerten, ist das ein Hinweis auf ein überdurchschnittliches Angebot. Liegt er darunter, ist der Abstand zum Bundesdurchschnitt die relevante Kennzahl, nicht die absolute Zahl allein.
Wo ist die Betreuung am besten?
Bei den unter Dreijährigen liegt Mecklenburg-Vorpommern mit 59,2 Prozent an der Spitze der Länder, Bremen mit 30,7 Prozent am Ende. Die Werte gelten zum Stichtag 01.03.2023 und zeigen, welcher Anteil der Kinder in dieser Altersgruppe einen Betreuungsplatz hat.
| Position | Gebiet | Quote unter 3-Jährige |
|---|---|---|
| Höchstwert Länder | Mecklenburg-Vorpommern | 59,2 % |
| Niedrigstwert Länder | Bremen | 30,7 % |
| Höchstwert Kreise | Rostock, Börde, Wittenberg | 63,3 % |
| Niedrigstwert Kreise | Frankenthal/Pfalz | 15,7 % |
Auf Kreisebene (400 Einheiten) ist die Spanne deutlich breiter als auf Landesebene. Sie reicht von 63,3 bis 15,7 Prozent, also über 47 Prozentpunkte. Ein Landeswert fasst mehrere Kreise zusammen und verdeckt deshalb Unterschiede innerhalb eines Landes. Ein Land mit hohem Wert kann also Kreise mit niedriger Quote enthalten, und umgekehrt.
Für einen Vergleich von Wohnorten empfiehlt sich dieses Vorgehen:
- Zuerst die Landesebene für den regionalen Rahmen betrachten.
- Danach die Kreisebene für den konkreten Ort heranziehen.
Warum Stadtbezirke so unterschiedlich sind
Innerhalb einer Stadt weichen die Betreuungsquoten oft stark voneinander ab, weil Kinder und Kitaplätze nicht gleichmäßig verteilt sind. Auf Kreisebene zeigt die amtliche Statistik zum Stichtag 01.03.2023 diese Spreizung deutlich: Bei den unter 3-Jährigen reicht sie von 63,3 % bis 15,7 %. Stadtbezirke unterliegen denselben Kräften, nur kleinräumiger. Drei strukturelle Faktoren bestimmen, wo das Angebot dem Bedarf folgt und wo nicht.
Zuzug und Altersstruktur junger Familien
Ziehen junge Familien in einen Stadtbezirk, steigt die Zahl der Kinder im Krippen- und Kindergartenalter oft schneller, als neue Plätze entstehen. Ein Bezirk mit neuen Wohnvierteln kann so innerhalb weniger Jahre von einer ausreichenden in eine knappe Versorgung wechseln. Umgekehrt entstehen Überkapazitäten, wenn ein Bezirk altert und Familien wegziehen.
Für den Vergleich sind zwei Kennzahlen aufschlussreich: der Anteil der 0- bis 5-Jährigen an der Bevölkerung und die Entwicklung der Zuzüge. Beide zeigen früh, wo der Bedarf wächst. Sie stammen aus der kommunalen Bevölkerungsstatistik, sofern die Stadt sie auf Bezirksebene ausweist.
Trägerstruktur kommunaler und freier Einrichtungen
Kitas werden von Kommunen, Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Elterninitiativen und privaten Trägern betrieben. Die Verteilung dieser Träger im Bezirk bestimmt, wer Plätze schafft und wie schnell das geschieht. Ein Bezirk, in dem ein großer Träger seine Neubauten zurückstellt, hat ein anderes Ausbautempo als ein Bezirk mit vielen kleinen Initiativen.
Prüfen Sie pro Bezirk, welcher Anteil der Plätze kommunal und welcher frei getragen ist. Die Kita-Verzeichnisse der Kommunen weisen den Träger in der Regel pro Einrichtung aus. Daraus lässt sich ableiten, wo die Versorgung von wenigen Akteuren abhängt.
Vorlauf der kommunalen Jugendhilfeplanung
Die kommunale Jugendhilfeplanung legt fest, wie viele Plätze in welchem Bezirk benötigt werden. Sie arbeitet mit Vorlauf: Der Bedarf wird geplant, bevor Gebäude stehen und Personal eingestellt ist. In stark wachsenden Bezirken entsteht dadurch eine Lücke zwischen Bedarfsfeststellung und tatsächlich verfügbarem Platz.
Eine niedrige Quote heute sagt daher wenig über die Lage in zwei bis drei Jahren, wenn bereits Plätze geplant sind. Umgekehrt kann eine gute Quote täuschen, wenn der Bezirk schnell wächst. Beziehen Sie den Ist-Stand deshalb immer auf die geplanten Plätze im Jugendhilfeplan der Kommune.

Wo finde ich Daten für meinen Bezirk?
Die bundesweiten Quoten vom 01.03.2023 liegen auf Kreisebene vor, mit 400 Einheiten. Für einen einzelnen Stadtbezirk reichen diese Werte nicht aus. Sie brauchen eine Quelle, die kleinräumiger gegliedert ist. Drei Ebenen sind dafür relevant: Bund, Land und Kommune.
| Ebene | Quelle | Was Sie prüfen |
|---|---|---|
| Bund | Regionaldatenbank Deutschland des Statistischen Bundesamts | Ob Kinderbetreuungsdaten für Ihre Gemeinde oder Ihren Kreis abrufbar sind |
| Land | Statistische Landesämter | Ob Kreis- und Gemeindewerte für Ihre Stadt ausgewiesen sind |
| Kommune | Jugendamt und Kitaplanung | Ob Planungsberichte Werte nach Teilräumen enthalten |
Regionaldatenbank Deutschland
Die Regionaldatenbank Deutschland ist die bundesweite Anlaufstelle für Regionaldaten, die nach einheitlichen Gebietsabgrenzungen veröffentlicht werden. Suchen Sie dort gezielt nach Begriffen wie Kinderbetreuung oder Kindertagesbetreuung und prüfen Sie, bis zu welcher Gebietsebene die Werte reichen. Liegen nur Kreiswerte vor, ist das für einen Stadtbezirksvergleich nicht ausreichend. Sie wechseln dann zu den Statistischen Landesämtern oder zur Kommune.
Statistische Landesämter
Die Statistischen Landesämter veröffentlichen Kreis- und Gemeindewerte für ihr Bundesland. Prüfen Sie, ob Ihre Stadt als eigene Gemeinde ausgewiesen ist. Gemeindewerte gelten für das gesamte Stadtgebiet. Um Bezirke zu vergleichen, müssen Sie deshalb auf Teilräume der Kommune zurückgreifen.
Kommunale Jugendamts- und Kitaplanungsberichte
Jugendämter erstellen Planungsberichte, die sich auf das Gemeindegebiet beziehen und oft nach Planungsräumen gegliedert sind. Planungsräume können mit Stadtbezirken übereinstimmen, müssen es aber nicht. Die Abgrenzung steht im Bericht selbst oder ist beim Jugendamt erfragbar. Bevor Sie Zahlen übernehmen, notieren Sie die Abgrenzung, damit Sie Bezirke korrekt zuordnen.
Was bedeuten Quoten über 100 Prozent?
Eine Betreuungsquote über 100 Prozent bedeutet nicht, dass es mehr Kinder gibt als Kinder in der Bevölkerung. Sie entsteht, weil Zähler und Nenner unterschiedlich abgegrenzt sind: Der Zähler zählt Kinder nach Einrichtungsort, der Nenner die Wohnbevölkerung. Der Wert entsteht, weil die Statistik die Kinder dort zählt, wo die Einrichtung steht, und nicht dort, wo die Familie wohnt. Bei den 3- bis 5-Jährigen liegt der höchste Kreiswert bei 103,2 % (Rostock), der niedrigste bei 72,7 % (Delmenhorst).
Zählung nach Einrichtungsort
Die Quote setzt vereinfacht die Zahl der betreuten Kinder ins Verhältnis zur Zahl der Kinder im Bezirk. Der Zähler erfasst alle Kinder, die eine Einrichtung im Bezirk besuchen, unabhängig davon, wo sie wohnen. Der Nenner erfasst dagegen die Kinder, die im Bezirk leben. Weichen beide Größen voneinander ab, kann der Quotient 100 überschreiten.
| Kreis (3- bis 5-Jährige) | Quote | Lesart |
|---|---|---|
| Rostock | 103,2 % | Höchstwert der Kreisspanne; der Zähler (Kinder nach Einrichtungsort) übersteigt den Nenner (Wohnbevölkerung) |
| Delmenhorst | 72,7 % | Niedrigster Wert der Kreisspanne |
Einpendler als Ursache
Ein Teil der Kinder besucht eine Kita in der Stadt, wohnt aber in einer Umlandgemeinde. Ein mögliche Erklärung sind Kinder, die eine Kita in der Stadt besuchen, aber in einer Umlandgemeinde wohnen. Sie erhöhen den Zähler, ohne den Nenner zu verändern. Ob dies in Rostock (103,2 %) die Ursache ist, belegt die Statistik allein nicht.
Wie die Werte zu lesen sind
- Ein Wert über 100 % beschreibt das Angebot am Standort. Er sagt nicht, dass jedes Kind im Bezirk einen Platz hat.
- Ein hoher Wert kann also auf viele Einpendler oder auf ein großes Angebot für das Umland hinweisen. Ob das zutrifft, zeigt der Wert allein nicht.
Worauf Familien bei der Wohnortwahl achten sollten
Im Alltag entscheidet bei der Kinderbetreuung weniger die Quote eines Stadtbezirks als die konkrete Versorgung vor Ort. Drei Prüfpunkte lassen sich für jeden Bezirk getrennt untersuchen: Platzvergabe und Wartelisten, Anfahrtszeit und Öffnungszeiten mit Schließtagen.
Wartelisten und Platzvergabe prüfen
Eine Einrichtung im Viertel bedeutet nicht automatisch einen Platz für das eigene Kind. Die Vergabe folgt je nach Kommune und Träger eigenen Regeln. Kriterien wie Geschwisterkinder oder der Wohnort im Bezirk können dabei eine Rolle spielen. Vor einer Entscheidung sollten Familien klären:
- Ob die Anmeldung über ein zentrales Portal der Stadt oder direkt bei der Einrichtung erfolgt
- Ob die Platzvergabe an einen festen Anmeldezeitraum gebunden ist oder laufend erfolgt
- Welche Kriterien bei Engpässen gelten
- Wie lang die Warteliste für den gewünschten Betreuungsbeginn ist und ob sie bei der Verwaltung oder bei der Einrichtung erfragt werden kann
Die Antworten fallen je nach Stadt sehr unterschiedlich aus. Die Frage nach der Vergabepraxis sollte deshalb für jeden Bezirk einzeln gestellt werden, nicht nur für die Stadt insgesamt.
Anfahrtszeit von der Wohnung zur Einrichtung
Maßgeblich ist die tatsächliche Wegzeit zu den Bring- und Abholzeiten, nicht die Luftlinie. Zu prüfen sind:
| Prüfpunkt | Vorgehen |
|---|---|
| Weg zu Fuß oder mit dem Rad | Route von der Wohnung zur Einrichtung zur Bringzeit abfragen |
| Öffentlicher Nahverkehr | Umstiege und Taktung zwischen Wohnung und Einrichtung prüfen |
| Auto | Parkmöglichkeiten am Bringort und Verkehrsaufkommen zur Bringzeit beachten |
| Weg zur Arbeit | Kita-Weg und Arbeitsweg als gemeinsame Gesamtzeit berechnen |
Öffnungszeiten und Schließtage vergleichen
Die Öffnungszeiten entscheiden, ob die Betreuung zu den Arbeitszeiten der Eltern passt. Zwei Einrichtungen mit ähnlichem Angebot können sehr unterschiedliche Tageszeiten abdecken. Verglichen werden sollten:
- Die tägliche Öffnungszeit im Verhältnis zum Bring- und Abholfenster
- Die Schließtage im Jahr, etwa für Sommerferien, Brückentage oder Fortbildungstage des Teams
- Die Regelung bei kurzfristigen Schließungen, inklusive einer möglichen Vertretungsbetreuung
- Ob die Schließtage über das Jahr verteilt oder in einer festen Schließzeit gebündelt sind
Ein Vergleich der Jahreskalender zeigt, an welchen Tagen Familien selbst eine Lösung organisieren müssen.
Häufig gestellte Fragen
Worin unterscheiden sich Betreuungsquote und Versorgungsquote?
Die Betreuungsquote zählt Kinder, die eine Einrichtung tatsächlich besuchen, die Versorgungsquote dagegen die vorhandenen Plätze, unabhängig davon, ob sie belegt sind. Beide Quoten beziehen sich auf dieselbe Zahl gleichaltriger Kinder in der Bevölkerung.
Warum kann eine Quote für einen Bezirk über 100 Prozent liegen?
Die Statistik ordnet Kinder dem Einrichtungsort zu, nicht dem Wohnort. Nimmt eine Einrichtung viele Kinder aus anderen Gebieten auf, kann die gezählte Zahl höher ausfallen als die Zahl der dort lebenden Kinder. Ein Beispiel ist Rostock mit 103,2 % bei den 3- bis 5-Jährigen auf Kreisebene, wobei die Statistik keine Ursache nennt.
Lassen sich Betreuungsquoten verschiedener Bezirke direkt in einer Rangliste zusammenführen?
Nur dann, wenn dieselbe Altersgruppe und dieselbe Zählweise zugrunde liegen. Bundesweit liegen die Werte bei 36,4 % für unter 3-Jährige und bei 90,9 % für 3- bis 5-Jährige, obwohl sie nicht vergleichbar sind, weil sich die Altersgruppen unterscheiden. Prüfen Sie vor jedem Vergleich, ob die Werte nach Einrichtungsort oder Wohnort ermittelt wurden.