Wie grün sind deutsche Städte wirklich?

Ein Grünflächenanteil ist nur vergleichbar, wenn beide Städte nach derselben Methode berechnet wurden. Dafür sind drei Punkte zu prüfen:

  • Stadtgebiet: Die Bezugsfläche ist in der Quelle zu prüfen, häufig die gesamte Gemeindefläche. Städte mit großen Außenbereichen oder landwirtschaftlich genutzten Flächen im Gemeindegebiet wirken dadurch anders als dicht bebaute Kernstädte.
  • Zeitbezug: Berichtsjahr und Datengrundlage getrennt angeben. Ein Lagebericht von 2024 kann Daten aus 2022 oder 2023 enthalten.
  • Stadtstaaten: Berlin und Hamburg sind jeweils eine einzige Gemeinde, die zugleich ein Bundesland bildet; Bremen umfasst als Land die beiden Städte Bremen und Bremerhaven. Ein direkter Vergleich mit Flächenstädten mit Umland ist deshalb nur mit ausdrücklichem Hinweis auf die abweichende Abgrenzung sinnvoll.

Für die Ausgangsbasis gilt: Hannover hat laut Lagebericht zur Stadtentwicklung 2024 einen Grünflächenanteil von 11,3 % der Stadtfläche, den höchsten Wert unter den 15 größten deutschen Städten. Die Daten stammen überwiegend aus 2022 und 2023.

Wie grün sind deutsche Städte wirklich?

Grünfläche ist nicht gleich Grünfläche

Die Statistiken unterscheiden sich oft darin, welche Flächenarten als Grünfläche zählen, und nicht in der tatsächlichen Ausstattung. Vor jedem Städtevergleich sollte man deshalb klären, was in der Quelle als Grün gilt.

Typische Abgrenzungsfragen betreffen vor allem diese Flächenarten:

FlächenartPrüffrage bei der Quellenlektüre
Parks und öffentliche GrünanlagenSind sie in der Quelle ausdrücklich enthalten?
FriedhöfeWerden sie als Grün oder als Sonderfläche geführt?
Sportflächen (Rasenplätze, Sportparks)Zählen versiegelte Sportflächen mit, und wie werden Rasenflächen behandelt?
WälderSind städtische Waldflächen eingerechnet, und gilt das auch für Randwälder außerhalb der Bebauung?
Landwirtschaftliche FlächenWerden Äcker und Wiesen ausgeschlossen oder als Grün gewertet?
KleingärtenGelten sie als öffentliches Grün oder als private Nutzung?
GewässerWerden Flüsse, Seen und Ufer dem Grün zugerechnet?

Die Unterschiede wirken sich direkt auf das Ergebnis aus. Eine Stadt mit großem Stadtwald kann bei enger Definition deutlich schlechter dastehen als bei weiter Definition, ohne dass sich an den Parks etwas ändert. Dasselbe gilt für Städte mit vielen Kleingärten oder Wasserflächen.

So geht man beim Vergleich vor:

  • Die Definition in der Originalquelle der Stadt suchen, nicht nur die Zahl übernehmen.
  • Prüfen, ob Wald, Gewässer und Landwirtschaft getrennt ausgewiesen sind. Nur dann lassen sich Werte korrigieren.
  • Bei Abweichungen den Wert nicht als direktes Ranking verwenden, sondern die Abweichung im Text benennen.

Welche Großstadt hat den höchsten Grünflächenanteil?

Hannover hat mit 11,3 % den höchsten Grünflächenanteil unter den 15 größten deutschen Städten. Die Angabe wird über die IHK Hannover zitiert, die sich auf den Lagebericht der Landeshauptstadt Hannover bezieht.

Zur Klärung hilft der Blick in den Lagebericht selbst. Zu prüfen sind:

  • Bezugsfläche: Wird der Anteil an der Stadtfläche insgesamt oder an einer anderen Flächengröße berechnet?
  • Rundung und Stichtag: Stammen beide Werte aus derselben Erhebung und demselben Berichtsjahr?
  • Quellenangabe: Nennt der Artikel für den abweichenden Wert eine eigene Quelle?

Für die übrigen Städte liegen in den hier verwendeten Quellen keine Werte vor, daher lässt sich keine Rangfolge der Städte mit den niedrigsten Anteilen belegen. Ein belastbares Ranking setzt voraus, dass für alle 15 Städte dieselbe Bezugsgröße und dasselbe Berichtsjahr verwendet werden.

Wie unterscheiden sich Stadtteile innerhalb einer Stadt?

Der Grünflächenanteil einer Gesamtstadt sagt wenig darüber, wie das Grün innerhalb der Stadtgrenzen verteilt ist. Der Stadtwert mittelt Viertel mit sehr unterschiedlicher Bebauung. Für den Vergleich zweier Stadtteile sind deshalb Lage und Bebauungsstruktur entscheidend. Stadtteilwerte sollten mit möglichst aktuellen Karten geprüft werden.

Innenstadtnahe Viertel gegenüber Stadtrandlagen

Innenstadtnahe Viertel sind meist dichter bebaut, haben weniger privaten Freiraum und oft kleinere, verstreute Grünflächen. Stadtrandlagen grenzen häufiger an Acker, Wald oder zusammenhängende Parkanlagen. Ob das für einen konkreten Stadtteil zutrifft, zeigt die Grünflächenkarte der Stadt, nicht ein Stadtdurchschnitt.

Bebauungsdichte und versiegelte Flächen

Die Bebauungsdichte bestimmt, wie viel Fläche für Gebäude, Straßen und Stellplätze versiegelt ist. Je höher der Anteil versiegelter Fläche, desto weniger Raum bleibt für Bäume und Rasen. Beim Vergleich ist deshalb wichtig, ob ein Viertel viele kleine Grünflecken oder wenige große, zusammenhängende Flächen hat.

Großparks als Einzelfaktor

Ein großer Park kann den Grünwert eines Stadtteils deutlich anheben, selbst wenn die übrige Bebauung dicht ist. Wichtig ist, ob der Park im Stadtteil liegt oder nur an ihn angrenzt, und wie viele Einwohner ihn fußläufig erreichen. Stadtteile mit und ohne Großpark sollten getrennt ausgewiesen werden, sonst verwischen die Unterschiede.

PrüfkriteriumLeitfrage für den Stadtteil
LageGrenzt das Viertel an offene Landschaft oder liegt es im dicht bebauten Kern?
BebauungsdichteWie viel der Fläche ist überbaut oder versiegelt?
GroßparkLiegt der Park im Stadtteil oder nur angrenzend?

Wie unterscheiden sich Stadtteile innerhalb einer Stadt?

Satellitendaten oder Flächennutzung: Was misst was?

Zwei Messansätze liefern Grünflächenanteile, die sich nicht eins zu eins vergleichen lassen. Der eine beruht auf Satellitenindizes, der andere auf der amtlichen Flächennutzungsstatistik aus Katasterdaten.

Der NDVI (Normalized Difference Vegetation Index) wird aus Satellitenaufnahmen berechnet, zum Beispiel aus Sentinel-2-Daten. Er bewertet, wie stark Pflanzen Rot- und Nahinfrarotlicht reflektieren, und zeigt so pflanzliche Bedeckung an. Ob eine Fläche rechtlich als Grünfläche gilt, spielt dabei keine Rolle. Ein begrünter Hinterhof fließt ebenso ein wie ein Acker am Stadtrand. Der Index misst also Vegetation, nicht Grünflächen im planerischen Sinn.

Die amtliche Statistik stützt sich auf ALKIS, das Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem. Dort ist die Nutzungsart jeder Parzelle eingetragen. Ob eine Fläche als Grünfläche zählt, hängt damit von der Eintragung ab, nicht vom Aussehen. Die Aktualität richtet sich danach, wann die Verwaltung die Einträge fortschreibt.

MerkmalNDVI (Satellit)ALKIS (Kataster)
DatengrundlageReflexion von Pflanzen in SatellitenbildernEingetragene Nutzungsarten je Parzelle
Was erfasst wirdPflanzliche Bedeckung, unabhängig von der NutzungRechtlich bzw. planerisch festgelegte Nutzung
ZeitbezugStichtag der jeweiligen AufnahmeStand der letzten Fortschreibung
Typische MessgrenzeWolkenbedeckung, LaubzustandVerzögerung zwischen Nutzungsänderung und Eintrag

Zeitliche Auflösung und Wolken sind die häufigsten Fehlerquellen bei Satellitendaten. Bei bewölktem Himmel fehlen Aufnahmen oder sind unbrauchbar. Liegt für einen Stadtteil nur eine Aufnahme aus einem bestimmten Zeitpunkt vor, wird er mit dem Zustand genau dieses Zeitpunkts bewertet. Laubfall im Winter senkt den Wert von Laubbäumen, ohne dass sich die Fläche verändert hat.

Wo finde ich Daten zu meinem Stadtteil?

Grünflächendaten auf Stadtteilebene veröffentlichen meist die Städte selbst. Als Primärquelle gilt der Lagebericht Stadtentwicklung der jeweiligen Stadt. Für einzelne Stadtteile braucht man zusätzliche Quellen.

Lagebericht und Stadtverwaltung

  • Auf der Website der Stadtverwaltung nach „Lagebericht Stadtentwicklung“ suchen und das Berichtsjahr mit dem neuesten Stand wählen.
  • Im Bericht den Datenstand und den Erhebungszeitraum prüfen, bevor Werte übernommen werden.
  • Im Methodenteil oder in den Fußnoten nachsehen, auf welcher Datengrundlage der Anteil berechnet wurde.

Open-Data-Portale der Städte

  • Viele Städte stellen Geodaten zu Grünflächen zum Download bereit. Im Portal nach Begriffen wie „Grünflächen“ oder „Stadtteil“ suchen.
  • Bei jedem Datensatz das Aktualisierungsdatum und die Angaben zum Datenstand in den Metadaten kontrollieren. Ein Datensatz von 2022 oder 2023 wirkt oft neuer, als er ist.

Stadtteilatlanten

Stadtteilatlanten bündeln Kennzahlen je Stadtteil. Vor der Nutzung klären:

  • Enthält der Atlas den Grünflächenanteil überhaupt?
  • Für welches Jahr gilt der Wert?
  • Wie wurde der Stadtteil abgegrenzt? Abweichende Gebietsgrenzen erschweren den Vergleich mit anderen Quellen.

Zitierte Quellen gegenprüfen

Presseartikel und Verbandsbeiträge verweisen häufig auf den Lagebericht. Vor einer Übernahme daher den Originalbericht öffnen und die Zahl dort prüfen.

Grün und Immobilienpreise: Gibt es einen Zusammenhang?

Die vorliegenden Daten belegen den Grünflächenanteil für Hannover, enthalten aber keine Immobilienpreise. Ein Zusammenhang zwischen Grün und Preisen lässt sich daraus nicht ableiten.

Lage und Stadtgröße getrennt betrachten

Ein Vergleich über alle Städte hinweg mischt unterschiedliche Marktlagen. Sinnvoll ist deshalb eine getrennte Auswertung:

  • Stadtgröße: Großstädte und kleinere Städte getrennt vergleichen, da Bodenpreise und Nachfrage stark variieren.
  • Lage im Stadtgebiet: Wohnungen in Parknähe mit Wohnungen ohne Grünbezug im gleichen Stadtteil vergleichen.
  • Stadtteil als Einheit: Grünflächenanteil und Preisniveau je Stadtteil ermitteln, nicht nur auf Stadtebene.

Korrelation ist nicht Kausalität

Ein gemeinsames Auftreten von viel Grün und hohen Preisen bedeutet nicht, dass Grün die Preise verursacht. Innenstadtnahe Stadtteile sind oft dichter bebaut und haben weniger Grün, während Randlagen mehr Grün, aber auch andere Infrastruktur haben. Beide Faktoren können von der Lage abhängen.

Kaufpreise im Stadtteilvergleich

SchrittVorgehenHinweis
DatenbasisKaufpreise je Stadtteil erfassenDVF ist ein französischer Datensatz und für deutsche Städte nicht anwendbar
BezugsgrößePreise je Quadratmeter statt GesamtpreisWohnungsgrößen unterscheiden sich stark
ZeitraumPreise und Grünflächendaten auf gleiche Jahre beziehenStichjahre sonst verzerren den Vergleich

Häufig gestellte Fragen

Warum lassen sich Grünflächenanteile verschiedener Städte oft nicht direkt vergleichen?

Die Werte sind nur vergleichbar, wenn sie dieselbe Bezugsfläche und denselben Berichtszeitraum verwenden. Berlin und Hamburg bilden jeweils eine einzige Gemeinde und zugleich ein Bundesland, weshalb ein Vergleich mit Städten, die ein Umland einschließen, einen Hinweis zur abweichenden Abgrenzung braucht.

Welcher Hannover-Wert ist der richtige, wenn eine Quelle zwei Zahlen nennt?

Maßgeblich ist der Wert von 11,3 % der Stadtfläche aus dem Lagebericht 2024. Dieselbe Quelle nennt an anderer Stelle 11,2 %, und diese Abweichung sollte vor einer Übernahme geklärt werden.

Was zählt überhaupt als Grünfläche?

Das hängt davon ab, welche Flächenarten die jeweilige Statistik einschließt. Parks und öffentliche Grünanlagen sind meist enthalten, bei Friedhöfen und Sportflächen mit versiegelten Anteilen muss man dagegen in der Quelle nachsehen.